100-Dollar-Laptop

Laptop

28.08.2006, 08:00, Text: Bodo Scheup

Was ist: Edel ist der Laptop, hilfreich und gut – wenn man sich denn einen leisten kann. In der Ersten Welt ist alles nur mehr Infosphäre und WLAN-Wolke und E-Learning, aber die digitale Kluft zu Entwicklungsländern und ärmeren Regionen der Erde, die an diesen Errungenschaften keinen Anteil haben, wird immer größer. In der westlichen Computerindustrie und -forschung sowie in den betroffenen Ländern selbst wird seit längerem an Technologien gearbeitet, die die digitale Kluft langsam schließen sollen. Eine davon ist der 100-Dollar-Laptop (auch bekannt als OLPC-Initiative = One Laptop Per Child), den Nicholas Negroponte vom Media Lab des Massachusetts Institute of Technology erdacht hat. Negropontes erklärtes Ziel: wirklich jedes einzelne Kind der Welt mit einem Laptop auszustatten. Wer solche Parolen ausgibt, macht sich natürlich angreifbar, nicht nur, was die Umsetzbarkeit des Vorhabens betrifft, sondern auch prinzipiell wegen seiner Sinnhaftigkeit. Natürlich ätzen Konzerne wie Microsoft und Intel, die an dem Projekt nicht beteiligt sind, verächtlich aus dem Hintergrund, allerdings muss tatsächlich gefragt werden, ob Entwicklungsländer mit der OLPC-Rate nicht einfach ein unnützes Erste-Welt-Konzept von persönlichem Besitz übergestülpt bekommen. So könnten flexible Lösungen wie z. B. der brasilianische Computador Popular oder der indische Simputer in Entwicklungsgebieten sinnvoller sein. Aber nun mal zu den harten Facts des Billig-Laptop-Wunders.


Handling: Die Kurbel macht’s. Auch Kofi Annan hat schon mal am 100-Dollar-Laptop gedreht, um sich den nötigen Strom für eine Surfsession zu erkurbeln. Die mittlerweile fast schon legendäre Kurbel wurde bei aktuellen Prototypen allerdings durch einen Dynamo ersetzt, den man in ähnlicher Weise antreibt, wie wenn man einen Rasenmäher anwerfen will. Wesentliche Merkmale sind der 1-GB-Flash-Speicher statt einer Festplatte, ein auf Schwarz-Weiß-Anzeige umschaltbarer 7-Zoll-Monitor und ein WLAN-Modem. Als Software kommt Linux in einer speziell abgestimmten Distribution zum Einsatz. Generell ist alles sehr robust, widerstandsfähig und bunt gestaltet.

Was bleibt
: Respekt vor dem hehren Anspruch der OLPC-Idee – und ein paar Fragen. Was macht man z. B. mit einem schön auf Vollgas gekurbelten Laptop und dem WLAN-Modem, wenn weit und breit kein Netz verfügbar ist?

Glanzlicht
: Na, was wohl? Der Preis! Die angepeilte Marke von ungefähr hundert Dollar pro Laptop – derzeit ist realistisch eher von 110 Dollar die Rede – soll v. a. durch sehr hohe Stückzahlen erreicht werden. Losgelegt wird erst, wenn Bestellungen über mindestens fünf Millionen Laptops vorliegen, dann sollen aber gar 100 oder 200 Millionen Stück produziert werden. Für seinen speziellen Preis wird der Laptop allerdings nicht im freien Handel erhältlich sein, sondern über die Bildungsministerien der entsprechenden Länder an die SchülerInnen verteilt werden. Frohes E-Lernen!

100-Dollar-Laptop
OLPC
www.laptop.org
ca. 100 US-Dollar (nicht im freien Handel erhältlich)



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aus Intro #142 (September 2006)
 
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