Laser-Turntable

Optischer Plattenspieler

[ELP Corporation / ca. US-Dollar 15.000]

17.07.2006, 08:00, Text: Boris Fust, Boris Fust

Anwendungsbereich: Audiophilie, Klangarchivierung Was ist: Digital ist schlechter. Vinyl-Freunde wissen das. Wer Musik aus Überzeugung auf waschechten Schallplatten hortet, käme nie auf die Idee, sie einer motorgetriebenen Schublade und hernach einem nur durch den Schein eines Lasers erhellten Geräteinneren anzuvertrauen. Vielleicht müssen die Besitzer von schwingungsneutral gelagerten Plattenspielern mit außen laufendem Antriebsriemen und Karbonfasertonarmen mit Referenzabtastern jetzt umdenken: Der japanische Hersteller ELP hat eine wundersame Achtzigerjahre-Idee wieder belebt und empfiehlt, die Vinyl-Schätze nicht mehr per Nadelsaphir, sondern mittels Laserstrahlen abtasten zu lassen.

Den dazu erforderlichen Laser-Turntable gibt es in der einfachsten Ausführung für 15.000 Dollar. Möchte man auch seine 12-Inches und Schellack-Schätzchen berührungsfrei abtasten lassen, werden 19.000 Dollar fällig. Handling: Benutzerseitig ist alles wie bei der CD: Scheibe in den Schacht, Titelreihenfolge per Fernbedienung programmiert und das Signal durch die Komponentenkette fließen lassen, bis es von den möglichst hochwertigen Boxen wieder ausgespieen wird. Im Unterschied zur mechanischen Abtastung der Klangrillen ist das kontaktfreie Auslesen der Vertiefungen durch fünf Laserköpfe (zwei zur Nachverfolgung der Rille, zwei zur Tonabnahme und ein weiterer zur horizontalen Korrektur bei gewellten Platten) absolut abnutzungsfrei, womit ein systembedingter Nachteil behoben wäre: Die Platten bleiben ewig frisch. Eines der ersten Modelle des Laser-Turntables wurde daher 1991 im Klangarchiv der National Library of Canada aufgestellt. Ferner dringen die Laser in bisher unabtastbare Tiefen der Klangrille (plus 10 Mikrometer) vor, wovon man sich laut Hersteller eine Wiedergabe nah am Master-Tape versprechen darf. Problematisch sind transparentes Vinyl und Picture-Discs: Schwarz und lichtundurchlässig muss die Scheibe sein, sonst gerät der Laser aus der Spur. Auch Staubkörner werden in Klang übersetzt, weswegen die Anschaffung einer Vakuum-Waschanlage des gleichen Herstellers für 500 Dollar ratsam erscheint. Allerdings verzeiht der Laser so manchen Kratzer. Was bleibt: Klangschönheit liegt in den Ohren des Hörers. Ob ein Laser-Turntable besser klingt als der geliebte Plattenspieler, dürfte Anlass für Glaubenskriege sein, denen die Klientel ja durchaus herzlich zugetan ist. Dass Tonarme mitschwingen, die Nadel Trittschall aufnimmt und das System anfällig ist für Feedbacks und Kanalübersprechungen, gehört zwar zu den ewigen Problemen, auf der anderen Seite tragen aber Resonanzen wesentlich zum gewohnten Klangbild bei, was den Wechsel zum Laser mindestens gewöhnungsbedürftig macht. Glanzlicht: Nur die Spurführung wird durch einen Mikroprozessor überwacht, die Klangübersetzung erfolgt analog über Fotosensoren. Trotzdem gibt es alle Vorteile der CD – das zeit- und klangraubende Digitalisieren ganzer Plattensammlungen entfällt.



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aus Intro #141 (August 2006)
 
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