
Plusdeck
PC-Kassetten-Deck
[Beyond The Ordinary / ca. EUR 130]
25.04.2006, 13:00, Text:
Bodo Scheup,
Bodo Scheup
Was ist: Mit der Entsorgung von Formaten und Technologien auf der Müllhalde der Geschichte – in der letzten Intro-Ausgabe war ja davon zu lesen – verschwinden partiell immer auch die mit diesen Formaten gekoppelten Inhalte in der Versenkung. In erster Linie, weil es einfach zu viel öde Arbeit macht, z. B. die gesamte Musiksammlung immer wieder in ein neues Format zu übertragen. Außerdem ist ein Großteil dieser Inhalte in der Regel ja auch im jeweils aktuellen Standard immer wieder neu verfügbar. Schwieriger wird es bei Dingen, die in bestimmter Weise formal durch die entsorgte Technologie geprägt waren, nehmen wir etwa einen Radiorecorder mit Tapedeck und die gute alte Musikkassette.
Handling: Das Plusdeck kann wie z. B. ein DVD-Laufwerk ins Computergehäuse eingebaut und über einen seriellen Port angeschlossen werden. Die Verwendung als externes Gerät ist bei den bisher erhältlichen Modellen nicht vorgesehen, also nichts für Notebook-UserInnen. Nutzungsmöglichkeit eins: einfach mal wieder die alten Tapes hervorkramen, entstauben und am Rechner anhören. Und von da aus ist es natürlich nicht weit zu Möglichkeit zwei: alles gleich auf die Festplatte bannen, wahlweise im WAV-Format oder gleich komprimiert als MP3s. Damit liefert das Deck von BTO natürlich nichts, was durch die umständliche Verkabelung eines alten Kassettendecks mit dem Computer, der Soundkarte und der entsprechenden Software nicht auch zu erreichen wäre. Aber die Mühe macht sich erfahrungsgemäß eben niemand, und die Schätze der glorreichen Tape-Zeiten setzen weiter Staub an, bis sich in Jahrhunderten irgendwelche ArchäologInnen ans Entschlüsseln von “Ulfs Best Of Hardrock-Balladen, Winter 1986” machen. Eins zu null für den Komfort des Plusdecks.
Was bleibt: Ein Feuerwerk der Nostalgiegefühle, das für alle Plusdecker vergessene und ganz private Sternstunden bereithalten wird. So kann ich mir dieses endgeile erste Album der Suicidal Tendencies, das mir ein längst aus den Augen verlorener bester Freund mal auf Tape aufgenommen hat, endlich wieder anhören.
Glanzlicht: Wie geil ist es denn, dass in einer Technikbesprechung auch mal wieder ein Begriff wie “Auto-Reverse” fallen darf? Was hiermit übrigens geschehen wäre.
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