
Lounge Lizard 3
E-Piano Synthesizer
[Applied Acoustics / ca. EUR 249]
25.04.2006, 12:53, Text:
Nils Quak,
Nils Quak
Was ist: E-Pianos sind teuer. Leider. Aber leider klingen sie auch verdammt gut. Will man also eine halbwegs erschwingliche Lösung für dieses Problem finden, so wird man feststellen, dass der Softwaremarkt einiges an Vorschlägen zu unterbreiten hat. Lounge Lizard 3 von Applied Acoustics ist so ein Lösungsvorschlag. Und wenn man sich die Firma mal genauer anschaut, fällt einem auf, dass sie gerade im Bereich des Physical Modelling – also der möglichst realistischen Simulation des physikalischen und daher auch klanglichen Verhaltens eines Objektes – eine große Rolle spielt. Das Firmen-Flaggschiff Tassman spricht in dieser Beziehung für sich.
Handling: Klar gibt es bei Lounge Lizard ein paar mehr Einstellungsmöglichkeiten als an einem echten E-Piano. Das ist auch gut so, denn schließlich wollen hier alle relevanten Klangparameter eingestellt werden. Hier kann jede erdenkliche Konfiguration der gesamten Tonerzeugung, angefangen bei der Feinjustierung der Tonabnehmerposition über die Anschlagstärke des Schlägels bis hin zu den Klangeigenschaften des Metallplättchens, das im E-Piano für die Klangerzeugung zuständig ist, konfiguriert werden. Arbeiten, die bei einem echten E-Piano unter Umständen längere Zeit in Anspruch nehmen würden, sind hier schnell gemacht. Und das mit einer Übersichtlichkeit, die einem maximal einige Minuten an Einarbeitung abverlangt. Neben dem obligatorischen Tremolo und einem Equalizer gibt es noch eine gute Anzahl weiterer, erstaunlich gut klingender Effekte wie Delay, Chorus, Phaser, Distortion, WahWah und Reverb. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist die Oberfläche in zwei Ansichten unterteilt, sodass man in der einen am eigentlichen E-Pianoklang drehen kann und in der anderen Zugriff auf die einzelnen Effekte hat. Das ist nicht nur praktisch, sondern spart auch Bildschirmplatz.
Was bleibt: Mit Lounge Lizard 3 haben Applied Acoustics eine gelungene und gut klingende Software-Umsetzung dieses Bühnenklassikers geschaffen, die unglaublichen Spaß macht und sowohl als Plug-in als auch als Standalone nutzbar ist. Auch die CPU-Auslastung ist erfreulich gering, sodass man mit Hilfe eines älteren Laptops schnell ein E-Piano auf die Bühne gezaubert hat. Lediglich die Einbindung eines Fußpedals, die sicherlich einen Hauch mehr an Authentizität mit ins Spiel gebracht hätte, fehlt noch.
Glanzlicht: Das Glanzlicht dieser Software ist diesmal nicht ein besonderes Feature, sondern einfach der Klang, der für ein synthetisch erzeugtes Signal so dermaßen nah am Original ist und dabei dennoch mehr als freundlich mit den Ressourcen umgeht, dass es eine helle Freude ist. Momentan wird man auf dem Softwaremarkt keine bessere Synthese-basierte Emulation eines E-Pianos finden als Lounge Lizard 3. Und für den Preis mit Sicherheit auch kein gutes E-Piano.
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