
Theremin
Zwei Antennen, die die Welt bedeuten
24.04.2006, 08:00, Text:
Felix Scharlau
Auch wenn der Anblick des schmucklosen Kastens mit den beiden Antennen den allermeisten nichts zu sagen scheint – das Theremin kennt garantiert jeder, der sich für Popkultur interessiert. Bei “Good Vibrations” von The Beach Boys singt es symbolträchtig im Hintergrund, die Jon Spencer Blues Explosion verewigte es auf dem Cover von “Orange”, und dank etlicher Science-Fiction-Filme der 1950er-Jahre ist sein Klang auch heute noch Signal für jeden Außerirdischen, der sich der Erde auch nur nähert. Die Erfindung des Russen Lev Sergejewitsch Termen ist ein Instrument der Extreme: Es gilt als das erste elektronische Musikinstrument überhaupt, vielen zudem als das am schwierigsten zu spielende.
Ich treffe mich mit Lydia Kavina am Tschaikowsky-Denkmal vor dem gleichnamigen Konservatorium, nur ein Dutzend Steinwürfe vom Kreml entfernt. In einem Seitenflügel im vierten Stock befindet sich die Kernzelle der Thereminpflege in Russland, dem Heimatland des Instruments. Im “Theremin Center” experimentieren Studenten täglich mit elektronischer Klangerzeugung. Hier unterrichtet auch Kavina – Großnichte Termens und eine der besten Theremin-Spielerinnen der Welt – jeden Freitag bis zu zehn Schüler an dem Instrument.
“Im sowjetischen System war elektronische Musik ja fast verboten, es gab fast feindliche Strömungen gegenüber Lev Termen”, erinnert Kavina sich an die Zeit, als sie (noch ein Kind) von dem über 80-Jährigen für sein Instrument begeistert und zu seiner letzten Schülerin wurde. “Damals hat es sich für mich zu einer Art Mission entwickelt, das Instrument zu zeigen und zu erklären. Und dieser Mission hänge ich immer noch nach, obwohl das so heute gar nicht mehr nötig wäre.”
Das ist zumindest, was Insiderkreise anbelangt, richtig: Auch dank Synthesizerlegende Bob Moog wurde das Instrument jenseits vereinzelten Auftretens in der modernen Klassik (unter anderem komponierte Schostakowitsch Stücke dafür) zum Lieblings-Sidekick der Popkultur und ist heute mit circa 15.000 Instrumenten weltweit bekannter und verbreiteter denn je. Auch wenn nur wenige Musiker professionell darauf spielen können. Kein Wunder: Ganz ohne visuelle Orientierungsmöglichkeiten wird das Theremin mit beiden Händen berührungsfrei in der Luft gespielt. Der Abstand zur jeweiligen Antenne definiert dabei die Tonhöhe beziehungsweise Lautstärke. Lydia Kavina erklärt, wie man das lernen kann.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen




