
Synchronisation
Im Studio mit deinem Lieblingsfilm
02.03.2006, 15:09, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
\"Na, Meisterchen, schon frisch im Schritt?\" Was Rainer Brandt Mitte der 70er-Jahre durch seine wahnwitzige Synchronisation aus der englischen Fernsehserie \"Die 2\" (mit Tony Curtis und Roger Moore) gemacht hatte, brachte das biedere ZDF zunächst ganz schön in Verlegenheit. Aber die Zeit war zu knapp, die Version musste zähneknirschend gesendet werden - und wurde zum Riesenlacherfolg. Wer mal Louis De Funès oder Adriano Celentano, denen Brandt unter anderem seine Stimme lieh, mit deutschem Mundwerk erlebt hat, kann sich vorstellen, in welchem Stil \"Die 2\" ihre Sprüche abfeuerten. \"Schöne Tapete haben Sie an! Selbst gemalt?\"
Solche kompletten Neuerfindungen sind bei Synchronisationen von Filmen und Serien natürlich nicht die Regel, im Normalfall sogar unerwünscht, denn Qualität bedeutet in erster Linie, mit der deutschen Fassung möglichst nahe am Original zu bleiben.
Bis es so weit ist und der erste Ton ins Mikro gesprochen werden kann, ist natürlich viel Vorarbeit nötig. Zunächst wird der Originaldialog in zwei Schritten übersetzt. Eine erste Rohfassung, die nah am ursprünglichen Text bleibt und auch mit Recherchen zu Slang, Fachausdrücken etc. verbunden ist, wird dann im Vergleich mit den Filmbildern zu einem lippensynchronen Dialogbuch zurechtgeschneidert. Das ist der Text, den die deutschen Stimmen nachher im Studio einsprechen und der im Idealfall zu 100 Prozent auf die Mundbewegungen der original SchauspielerInnen passt. Dabei kommt es bei den Aufnahmen schon mal vor, dass ein Sprecher alleine im Studio steht, obwohl er sich auf der Leinwand gerade einen heftigen Streit mit seinem Partner liefert. Thomas Braune von der Interopa Film Synchronisation versichert, dass das eher mit Terminproblemen der SprecherInnen zu tun hat als mit Kostengründen, denn das separate Aufnehmen aller Rollen ist in der Regel teurer, als die Schauspieler gemeinsam vors Mikro zu bitten. \"Es kommt einfach darauf an, um was für eine Szene, um was für einen Charakter es sich handelt. Wenn es eine Voice-over-Geschichte ist, wo jemand als Gedankenstimme sehr interpretativ etwas vermittelt, ist es sicherlich besser, ihn alleine aufzunehmen. Wenn es ein Dialog zweier Liebender ist, dann sollten die möglichst nicht getrennt werden, um die Stimmung zu erhalten.\"
Auch in den Synchronstudios läuft inzwischen alles digital, was aber auf den Produktionsprozess hinsichtlich Aufwand und Ablauf kaum Auswirkungen hat. Thomas Braune: \"Statt früher mit Magnettonbändern arbeiten wir heute eben mit digitalen Tonträgern. Da hat sich eigentlich nur das Medium geändert, aber der normale Ablauf ist davon nicht betroffen.\" Die Audiodaten selbst werden ja nicht groß manipuliert, sollen die Stimmen doch so unverfälscht und glaubwürdig wie möglich klingen. Beim Abmischen und Cutten werden einzelne Arbeitsschritte durch die neue Technologie zum Teil zwar beschleunigt oder vereinfacht, grundsätzlich ändert sich aber auch hier kaum etwas.
Ob nun also Rainer Brandt Tony Curtis ein \"Sleep well in your Bettgestell\" in den Mund legt oder Robert Stadlober als Anime-Magier mit dem \"Wandelnden Schloss\" über die Berge zieht - in den Katakomben der Synchronstudios wird immer noch nach dem gleichen Muster und mit derselben Begeisterung gearbeitet. Und selbst der Trend, zum Beispiel Boris Becker in \"Himmel Und Huhn\" einen Bären sprechen zu lassen, rückt die Synchronstudios nur noch weiter in den Fokus der Aufmerksamkeit. Thomas Braune findet das auf jeden Fall witzig. \"Bei Animationsfilmen bekommen die Figuren durch die Besetzung mit einem prominenten Star einfach eine ganz andere Personalisierung. Wenn diese Stars, die irgendwelche Tierchen oder Wesen oder animierte Menschen sprechen, auch noch Talent mitbringen, was leider Gottes nicht immer der Fall ist, dann ist das eigentlich optimal - und natürlich auch sehr teuer.\"
Synchron-Eldorado
Thomas Braune, Geschäftsführer der Interopa (machten Synchron-Fassungen zu u. a. \"King Kong\", \"Spongebob Schwammkopf - Der Film\", \"Six Feet Under\" u. v. m.), findet die \"Qualität deutscher Synchronisationen erstklassig\" und hält Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern für ein wahres \"Eldorado für Synchronisationen\". So wird beispielsweise in den skandinavischen Ländern bekanntermaßen nur untertitelt. Für jeweils eigene Fassungen gibt es einfach zu wenig Schweden - und die können alle zu gut Englisch.
Alles digital
Auszüge aus der Technikliste bei Hermes Synchron, einem Studio, das u. a. \"Capote\", \"Ghost In The Shell\", \"Smallville\" und \"Pulp Fiction\" ins Deutsche brachte:
Aufnahme: ProTools HD 1 mit 96 Spuren; Abhöre: 5.1 Genelec; Anbindung von F.E.D./Augan/DAT/Perfo (2-6 Spur) und Hi-8 Bandspieler, für den Sprachschnitt zusätzlich HD 1. Abmischung an einer digitalen Harrison Serie 12 Konsole, erweitert um ein Pro-Tools HD 2 System.
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