Warentest

Harvest vs. Music

23.02.1999, 20:04, Text: Autor unbekannt

In INTRO #60 haben wir es kurz vorgestellt: \"Music\" ist laut Hersteller \"Codemasters\" \"das weltweit erste Programm, das auf einer Spielekonsole die Komposition von Musikstücken sowie die Gestaltung von Videos erlaubt.\" Wir wollten wissen, was wirklich dran ist, und ließen das Ding auf Herz und Nieren durchchecken. Von Profis. Dr. Walker, Bionaut und Computerjockeys sind solche, die es wissen müssen, als Köpfe des Hauses \"Harvest\" haben die Kölner Elektronik-Pioniere mit der \"Battery Park\"-Compilation gerade mal wieder gezeigt, was im Genre geht. Und es geht noch mehr: neue Remixe gibt's von Khan & Walker und Dr. Walker & Mr Flux, Longplayer von Frank Heiß und im Mai dann endlich von Air Liquide.


Die Programm-Oberfläche / Video-Graphik
Farbenfroh, im typischen Playstation-Look, präsentiert sich \"Music\" in knalligen Kontrasten. Die Mini-Schrift sorgt dafür, daß einem bei der Arbeit mit einem kleinen TV schon nach kurzer Zeit die Rehäuglein tränen.
Die Funktionzweise von \"Music\" sollte jedem Einsteiger nach kurzem Herumspielen klar sein, auch ohne ein Handbuch zu lesen. Während man die Rubrik \"Videoclip\" als groben Unfug abtun darf (Retro-Computergraphiken pumpen mit groben Pixeln zum Beat - oder auch nicht), ist die Audio-Abteilung interessanter.
Der Arranger
wartet mit 16 Spuren auf, in die man entweder vorgefertigte Loop-Pattern einlädt oder eigene selbstprogrammierte Riffz. Mit den Preset-Pattern kann jeder Einsteiger in Minuten seine eigenen Rave-, House- oder Trip-Hop-Hitz zusammenstellen. Lustikk, das. So was sollte DJ Tonka und DJ Quicksilver arbeitzloz machen ...
Programmiert man seine Riffz selbst, so können aus mehr als 800 Basic-Soundz eigene Instrumente gebastelt werden; mit Hüllkurven, Vibrato ... versehen, lassen sich überraschende Soundz erstellen. Auch der Riff-Sequencer ist einfach zu bedienen.
Die Bedienung
generell - sie erfolgt ja über die Gamepadz - ist nervend, unlogisch und zeitraubend. Schon ein normalez Keyboard treibt den Musikschaffenden von Zeit zu Zeit in den Rinderwahn, da die 60-70 Tasten nicht ausreichen - was hat da ein 14-Tasten-Gamepad zu vermelden?! Mir macht das keinen Spaß. Vielleicht sollte man über neue Bedienungskonzepte nachdenken ...
Der Sound
... ist erstaunlich, wenn man sich vor Augen führt, daß man es ja mit einer Playstation zu tun hat. Trotzdem kann und sollte man die Tonqualität nicht mit irgendeinem professionellen Musikgerät vergleichen. Ich würd' sie aber trotzdem hier und da für Produktionen einsetzen.
Im großen und ganzen
... ist \"Music\" also ein lustikker Zeitvertreib. Es ist wohl sympathischer, ein bißchen herumzuphunken, als der gebeutelten Nina in \"Tekken\" einen auf die Mütze zu geben oder Alienz zur Strecke zu bringen. Ich möchte auch wetten, daß in der nächsten Zeit der eine oder andere Track veröffentlicht wird, der der Playstation mit Hilfe von \"Music\" entlockt wurde. Massive Attack, Richie Hawtin oder Goldie mit \"Music\" Konkurrenz zu machen kann man sich aber getrost abschminken.
Was mit \"Music\" geht, gibt's im übrigen auch zu hören. Wer schnell genug ist und diesen Monat zu den ersten zwanzig INTRO-Neu-Abonnenten gehört, erhält als Prämie einen exklusiven Track der Kölner auf CD, komponiert, arrangiert und gemischt mit \"Music\". Stichtag: 08.02.99



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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