"Sound Engine Plus" von best service

Alles an Bord

14.09.1997, 11:33, Text: Autor unbekannt

Demokratisierung durch gleiche Verteilung der Produktionsmittel: ein wahrer Bombenhagel an Software, die aus jedem x-beliebigen langweiligen Büro-PC eine hochgezüchtete Musik-Maschinerie machen soll, geht seit einiger Zeit nieder. Nun schießt auch best service, eigentlich eher bekannt durch die Distribution hochwertiger Sample-CDs, scharf. Für DM 79,- wird nun ein Bundle auf den Markt gefeuert, das dem Einsteiger ein Rundum-Sorglos-Paket sein soll. Es sind dies der Programme dreierlei: Da wäre zunächst der "Cubasis Audio SE", mit seinen vier Audio- und 32 Midi-Spuren das eigentliche Herzstück der Software-Compilation. Dazu gesellen sich das "Sound Lab Fun Tool" zum Editieren von Audiomaterial und "Circle Elements", ein schreiend bunt geratenes Tool zum Hinter- und Übereinanderklatschen von Samples.

Lizenzfreies Klangfutter wird reichlich mitgeliefert, und wer sich unter Windows 95 ein paar Minütchen Zeit nimmt, wird rasch etwas zusammengezimmert haben, was sich lohnt, auf beiliegendem Sony-Tape verewigt zu werden.

"Circle Elements"

Zwei Audiospuren stellt dieser Kreis mit dem sympathischen "Fire"-Button in der Mitte zur Verfügung, die bei Bedarf zusammengemischt werden können, um Platz für neue *.wav-Dateien zu schaffen. Das Arrangieren eines Loops funktioniert dann spielerisch nach der Try-and-error-Methode. Zwar können die Samples vor dem Einladen ins Programm in der linken Laufleiste vorgehört werden, werden danach aber durch zufällig ausgewählte Farben dargestellt, was für ungeduldige Zeitgenossen sicher nicht unbedingt ein Grund zur Freude ist. Ein weiteres Problem ist die unterschiedliche Länge und Geschwindigkeit der mitgelieferten Samples, die im "Circle" nur ansatzweise bzw. überhaupt nicht beeinflußt werden können. Gleiches gilt für die Effekt-Sektion mit Delay, Echo und Chorus. Schlußendlich ist das Ding, das so aussieht wie eines dieser uralten "Senso"-Biester, auch nicht so ganz leicht zu handlen: Das Hin- und Herschieben der einzelnen Elemente (lassen sich übrigens auch cool vom Midi-Keyboard aus spielen) will nicht immer so richtig klappen. Und wer einmal mehr ungeduldig sich zeigt und wild herumklickt, riskiert schon mal einen Programmabsturz.

"Sound Lab Fun Tool"

Dieser kleine Wicht überzeugt zwar auch nicht durch nüchterne Optik, macht aber schon ein wenig mehr Spaß. Audio-Dateien werden nach dem gleichen Prinzip importiert und im Display recht übersichtlich als Wellenformen dargestellt und lassen sich mittels Locator-Plazierung auch ausschnittsweise bearbeiten. Und das geht so: hinter den einzelnen Ritzeln des zentralen Zahnrads verbergen sich einzelne DSP-Effekte, die zufriedenstellend schnell berechnet werden, aus dem bekannten "Wavelab" stammen und ordentlich klingen. Einzelne Effektparameter sind nicht editierbar, man muß sich also mit den Presets zufriedengeben, was oftmals - je nach gewähltem Sample und Effekt - aber durchaus klargeht. Unklar bleibt, warum die roten Signallämpchen, die die Effektanwahl anzeigen, auch dann noch leuchten bleiben, wenn man sich bereits für einen ganz anderen Effekt entschieden hat. Das Überlagern verschiedener Effekte schließlich ist nur dann möglich, wenn der Sound zwischendurch auf Platte abgelegt wird.

"Cubasis Audio SE"

Das kleine Nesthäkchen aus der "Cubase"-Familie schließlich kann ordentlich was und rechtfertigt schon allein den freundlichen Preis. Der Funktionsumfang ermöglicht nicht die komfortable Verwaltung eines riesigen Geräteparks, weil das schließlich auch gar nicht gefragt ist. Auch MIDI-Neulinge dürften sich hier blitzschnell orientiert haben, um aus ihrer Soundkarte das Optimum herauszuholen. Vier Audio-Spuren reichen für einfache Dance-Produktionen hinlänglich aus. Die Besonderheit der SE-Version: Audiodateien werden im Arrange-Fenster sowohl mit Namen als auch Wellenformen angezeigt, was höhere Versionen - alle Achtung - noch nicht können.

Samples

Hier spielt best service dann ultimativ seine Stärke aus. Im Lieferumfang befinden sich um die zweihundert Megabyte hervorragender Klänge, die allesamt dem Techno-/Dance-Bereich entnommen sind. Ob Junglegroove oder Soulröhre: mit den Klängen kann man machen, was man will. Best service verzichtet auf Lizenzen, so daß es keine Probleme gibt, wenn der mit dem "Sound Engine" erstellte Megahit dann mal Airplay kriegt. Doch den muß man dann immer noch selbst machen. Das erledigt zum Glück noch keine Software dieser Welt.
Vertrieb:
best service, Siegesstr. 23, 80802 München
http://www.bestservice.de



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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