
Google Earth
Unsere Welt in klein
23.08.2005, 17:05, Text:
Benjamin Walter,
Benjamin Walter
Neben der einfachen Websuche stehen bei Google ja bekanntlich mittlerweile eine ganze Reihe von anderen Dienstleistungen zur Verfügung: eine Bildersuche, die Google Groups oder die Nachrichtensuchmaschine Google News. Alles völlig in Ordnung. Aber nichts gegen das neueste Projekt der geschäftstüchtigen Kalifornier:
Nach der Installation wähnt sich der Benutzer im Weltall, 6000 Kilometer unter ihm schwebt die Erde. Immer wieder hübsch anzusehen - aber das kennt man ja aus dem Fernsehen. Einen Klick mit der Maus später fliegen einem dann die Kontinente entgegen, die Erde dreht und neigt sich in jede gewünschte Richtung, und mit einer Mischung aus Neugier und Größenwahn kann die Entdeckungsreise mit Google Earth beginnen. Besonders im Falle der USA ist die Qualität der Satellitenfotos unglaublich. Häuser, Straßenzüge, sogar Autos und Gartenmöbel lassen sich beim Heranzoomen problemlos erkennen. Wolkenkratzer und Gebirge werden zum Teil dreidimensional dargestellt. Aber auch einige europäische Metropolen bieten so erstaunlich gute Bilder, dass sich die Hamburger und Berliner auf die Suche nach der eigenen Wohnung machen können, um wenig später bei Freunden in London vorbeizuschauen und das Haus der Eltern anzusteuern. Die ungewohnte Perspektive lässt selbst bekannte Orte spannend und neu erscheinen, und der erste Schritt in Google Earth ist immer die Suche nach sich selbst. Durch die freie Wählbarkeit des Neigungswinkels sind dann Spaziergänge durch die Straßen Manhattans oder die Simulation eines Rundfluges über Neuseeland in Sekunden möglich.
Neben dieser eher spielerischen Herangehensweise bietet das Programm noch eine Reihe von zusätzlichen Funktionen, welche die visuellen Möglichkeiten von Google Earth mit den Fähigkeiten einer klassischen Suchmaschine verbinden. Das Einblenden von Orts- und Straßennamen, so genannten Layers (also Schichten), ist genauso möglich wie die Suche nach Hotels und Sehenswürdigkeiten. Bei der Planung einer Urlaubsreise kann sie sogar den Reiseführer ersetzen. Auf Wunsch legt sich ein ganzes Netz an geografischen Daten, öffentlichen Einrichtungen, Restaurants und Freizeitangeboten über die Städte und zeigt so den praktischen Nutzen, den kommerziellen Reiz und die zukünftigen Möglichkeiten von Google Earth.
Microsoft MSN hat übrigens mit seiner Virtual Earth ein ganz ähnliches Programm entwickelt, um ein eigenes virtuelles Branchenverzeichnis zu etablieren. All der berechtigen Kritik von der totalen Vernetzung und Verfügbarkeit von Informationen zum Trotz - es sah noch nie so gut aus.
Eines macht Google Earth sehr schnell und viel eindrucksvoller als ein klassischer Atlas deutlich: Die Entfernungen zwischen den Kontinenten sind riesig, und es ist praktisch unmöglich, alle interessanten Orte selbst zu entdecken. Die Metropolen und klassischen Naturwunder sind schnell gefunden, skurrile und geheimnisvolle Orte sind aber oft gut versteckt und nur mit viel Geduld und Zeit zu finden. Die Keyhole Community, das Internetforum von Google Earth, schafft da schnelle Abhilfe und steigert den Suchtfaktor des Programms ins Unermessliche: Hier tauschen sich knapp 50.000 angemeldete Mitglieder über ihre Entdeckungen aus, rätseln über merkwürdige Flugzeugfriedhöfe in der Wüste von Nevada und lachen über das groteske Anwesen von 50 Cent. In dem thematisch gegliederten Forum finden sich unzählige Links (so genannte Placemarks) zu militärischen Einrichtungen, Inkatempeln und gigantischen Industrieanlagen, aber auch private Informationen und Fotos von Nutzern, die sich über die Satellitenbilder von Google Earth legen lassen. Außerdem besteht die Möglichkeit, liebevoll gestaltete 3-D-Modelle der Freiheitsstatue und des Eiffelturms oder Satellitenbilder aus anderen Quellen in das Programm zu integrieren. Nach dem Anklicken fliegt man in einer wilden Kamerafahrt zu den jeweiligen Orten, die dann wieder mit privaten Inhalten, Links zu Google oder zu Inhalten der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia verknüpft sind. Durch diesen offenen Ansatz zur Mitgestaltung von Google Earth erscheint die Vision vom \"globalen Dorf\" aus den Anfangstagen des Internets sogar sympathisch. Aber auch für die Bedürfnisse der sensationsgeilen Verschwörungsfreaks ist gesorgt: Bei Googleearthhacks finden sich Placemarks zu Stealthbombern, unkenntlich gemachten Orten und hochauflösende Satellitenfotos der immer beliebten Area 51.
Diese Vielzahl an Funktionen, die überragende technische Umsetzung und die intuitive Bedienung machen Google Earth, trotz des natürlich kommerziellen Hintergedankens und datenschutzrechtlich durchaus bedenklichen Möglichkeiten, zu einem geilen Spielzeug für Erwachsene und bieten reichlich Gelegenheit zum Zeitvertrödeln. Den Flughafen von Tokio sollte man schon gesehen haben. Und Disneyland natürlich auch!
Links:
Google Earth zum Download: http://earth.google.com
Keyhole Community: http://bbs.keyhole.com/entrance.php?Cat=0
Googleearthhacks: www.googleearthhacks.com
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