
Timo Maas
Sound statt Krach
24.06.2005, 12:55, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Ideen einfangen und so unmittelbar wie möglich umsetzen - das Geheimnis von Musikproduktion klingt ganz simpel. Das Problem ist nur, dass die beiden Seiten, die musikalische Vision und ihre konkrete technische Verwirklichung, in perfekter Symbiose zueinander finden müssen. Da fangen die Probleme für den einsamen Studio- bzw. Musiknerd erst an ...
Timo Maas, der sich vom DJ in der niedersächsischen Provinz zum internationalen Star und Remixer der gesamten Popcreme von Madonna bis Depeche Mode hochgearbeitet hat, ist ein fanatischer Musikdenker, der sich für die technische Umsetzung seiner Visionen auf einen Partner mit fettem Produktionsdaumen verlässt.
Obwohl Timo Maas also nicht selbst Hand an Synthesizer und Soundmodule legt, ist er ein großer Soundideologe. Über die Geheimnisse des perfekten Klangs und über Mastering könnte er sich stundenlang auslassen - wenn er als manischer Workaholic nicht immer so einen tighten Terminkalender hätte. \"Wir haben noch so runde acht Minuten\", schiebt er nach einem Profiblick auf seine Uhr trocken in unser Frage- und Antwortspiel, bevor er vom Mastering-Marathon erzählt, der für sein zweites Künstleralbum \"Pictures\" angezettelt wurde und bei dem Maas und Buttrich vier verschiedene Soundschmieden austesteten, um schließlich beim in Popstarkreisen als Gott geltenden Bob Ludwig und seinem Gateway Mastering in Portland, USA zu landen. \"Selbst nachdem wir uns endgültig für jemanden entschieden hatten, haben wir's noch mal umgestoßen, nachdem die die ersten vier Stücke geliefert hatten, und sind zu Gateway zurückgegangen. Und selbst da sagte Martin zum Gott: 'Alles super, aber sieben von den zwölf Stücken musst du noch mal machen.' Und der Gott sagte: 'Ja, supergeil, wie meinst du das jetzt genau?' Martin hat ihm das erklärt, der hat's verstanden, und jetzt ist es perfekt. So wie wir die Musik in der Produktion gemeint haben, so hört sie sich jetzt auch an.\"
Die digitalen Produktionsmöglichkeiten, die zunehmend auch die Endgültigkeit von Dancemusic im Sinne eines unveränderbaren Artefaktes unterminieren und DJs die Möglichkeit zu immer neuen Livemanipulationen geben, lassen Timo allerdings ziemlich kalt. Er liebt die Überraschungen und das Unperfekte am altbekannten Platte-nach-Platte auf zwei Technics legen. \"Ich bin richtig oldschool. DJing ist für mich ein Handwerk mit seinen Ecken und Kanten: mit dem Knistern, den Kratzern, aus Versehen mal die Nadel hochnehmen usw. Für mich ist wichtig, dass der Flow da ist, ein roter Faden, und dass ich durch die Qualität meiner Musik und durch den Aufbau der Energie überzeuge - nicht dadurch, dass ich besonders gut einen Sampler bedienen kann.\" Auch für den DJ Timo Maas spielt der perfekte, fette und saubere Sound wieder eine extrem wichtige Rolle. Was seinen Ansprüchen nicht genügt, nicht pumpt oder zu krachig ist, kommt eben nicht auf die Plattenteller. So einfach ist das. \"Ich mag keine noisige Musik. Ich mag Musik, die viel Bass hat, viel Kick und mich antreibt. Ich hab so ein ganz bestimmtes Klangbild im Kopf, wenn ich meine Platten aussuche. Es gibt Riesenhits, 'Rocker' von Alter Ego z. B., die ich nie gespielt habe. Ich find die Nummer auch richtig geil, aber sie ist mir zu noisy. Sie passt einfach nicht zum Klangbild meiner Sets.\"
Viel Bass, viel Klarheit, ist das die Maxime, die auch die spezielle Soundhandschrift des Produktionsduos Maas/Buttrich ausmacht? \"Es gibt diesen roten Faden in unseren Stücken. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es wird hoffentlich der Funk sein, der alles immer wieder zusammenklebt. Dieses funkige Feeling, das Groovige, Soulige, ein bisschen Oldschoolige. Und v. a. auch: Unsere Songs sind nicht noisig.\"
Martin Buttrich
Allzweckproduktionsmaschine, Unikat, unersetzliches Teil in Timo Maas' Studiokomplex in Hannover. In dessen Worten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche einsatzbereit und \"das musikalische und technische Genie im Hintergrund, das dafür sorgt, dass alle Ideen bestmöglich wiedergegeben oder sogar noch verbessert werden. Ich glaub, Martin empfindet Musik noch mal viel intensiver als jeder andere. An Sounds, die du kaum raushörst, hängt er drei, vier Tage dran, um sie perfekt unperfekt zu machen, sozusagen.\"
Gateway Mastering, Bob Ludwig
Wer neben Timo Maas noch bei Bob Ludwig mastern lässt: \"Alle. Das fängt an bei fünf oder sechs Remasterings von Bob Marley, die haben elf Stones-Alben gemacht, selbst Grönemeyer lässt da mastern. Alles, was du dir aus dem musikalischen Bereich der letzten 25 Jahre vorstellen kannst, ist durch Gateway Mastering gegangen.\"
Timo Maas
Pictures
Hope Recordings / Warner
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