WS-200S

Digi-Diktiergerät

21.05.2005, 10:53, Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Olympus / ca. EUR 130

Diktiergeräte gehören auf den ersten Blick nicht gerade zu den heißesten Technik-Gadgets der Stunde. Vor dem geistigen Auge sieht man schmerbäuchige Journalisten, frustrierte SekretärInnen und übernächtigte Kriminalbeamte mit den Geräten und kleinen Kassetten hantieren. Dabei wird vergessen, dass zum Ende der 1940er-Jahre hin die Möglichkeiten mobiler Aufnahmegeräte (damals das Tonband) z. B. so ganz nebenbei ein eigenes Genre Neuer Musik mitbegründeten, dessen Prinzipien auch heute noch etliche (Elektronik-) Musiker hinterhereifern: die Musique Concrète, die sich Alltagsklängen und deren Verfremdung widmet(e).

Kurz: Ein Diktiergerät kann zu mehr dienen als nur dem banalen Festhalten von Einkaufsnotizen. Es kann ein Lebensgefühl konservieren und als Ausgangsbasis eines Kunstwerks dienen. Und doch wird seine technische Funktionalität im Prinzip von nur wenigen Parametern bestimmt: Gewicht, Aufnahmequalität, Aufnahmedauer. Dass digitale Diktiergeräte nicht mehr mit Wechsel-Speichermedien (wie DAT, Minidisc etc.), sondern mit einer Festplatte auf den Markt strömen, ist nichts Neues und ein logisches Prinzip der Entwicklungen der letzten Jahre. Und doch schreit nicht alles in diesem Segment nach Neuerungen. Vermeintlich überholte Techniken wie das analoge Minikassetten-Gerät oder der mobile, sehr gut klingende, aber schwere und teure DAT-Recorder besitzen nach wie vor hohes Ansehen bei Leuten, die beruflich mit Diktiergeräten zu tun haben. Im Gegensatz zur Zwischenstufe auf dem Weg der Digitalisierung, dem Mini-Disc-Player, der zu sehr nach Medien-Kompromiss aussah und noch dazu nie richtig funktionierte (Batterie-Leistung!). Man kann also, verunsichert durch die technischen Fehlschläge der letzten Jahre, einem Gerät wie dem WS-200S auf den ersten Blick durchaus skeptisch gegenüberstehen. Dabei erfüllt das Gerät schon auf den ersten Blick alle oben beschriebenen notwendigen Eigenschaften eines guten Freundes für unterwegs: Es wiegt nur 54 (!) Gramm (inklusive Batterien), und das eingebaute Mikro klingt gut, wobei via “kleine Klinke” auch ein hochwertiges Mikro angeschlossen werden kann, das professionelle Außenaufnahmen gewährleistet. Die unterschiedlichen Qualitätsmodi bei der Aufnahme (hier sind es vier) sind spätestens seit dem Mini-Disc-Player bekannt und decken von der schlechteren Aufnahme mit bloßem Notizcharakter (Dauer: maximal 54:50 Std.) bis hin zur Aufnahme in Stereo High Quality (SHQ) (Dauer: maximal 4:20 Std.) alles ab. Analog dazu hält die AAA-Batterie (Alkali) im LP-Modus ca. 13 Stunden – da kann jeder Mini-Disc-Player einpacken. Kernstück des Geräts ist eine 128 MB große Festplatte, die die Audio-Files als WMAs aufzeichnet und jene per integriertem Stick via USB (2.0 Full Speed) an den Rechner schicken kann. Es können aber auch alle anderen Datei-Formate gespeichert werden, was den WS-200S zusätzlich als Datentresor, der zwischen zwei Rechnern vermitteln kann, adelt. Vielleicht ist mit Geräten wie diesem die Zeit analoger Diktiergeräte nun endgültig eingeläutet und das Trauma, das einige frühere Entwicklungen auf dem Gebiet hervorriefen, überwunden. Die Chancen stehen mehr als gut.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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