
Und jetzt kommt Reklame
Michael Schumacher, Pur & Konsorten
28.05.2004, 13:07, Text:
Boris Fust,
Boris Fust
Michael Schumacher ist ein Mann, der sehr schnell Autofahren kann. Weil er auf den Rennstrecken dieser Welt beständig das Unmögliche möglich macht, traut man dem markanten Overallträger noch so einiges zu. Dass er sich mit Versicherungen auskennt beispielsweise. Oder mit Haarshampoo. Und neuerdings hat der so genannte Kerpener offenkundig auch reichlich Checke, warum die preisgünstigeren Analog/Digitalwandler der ADI-8 DS-Serie der Firma RME der deutlich teureren Apogee AD-8000 vorzuziehen sind.
RME bemühen sich mit einer großen Produktpalette um »Intelligent Audio Solutions« und stellen hochwertige DSP-Digitalkarten (xxxLink1xxx), Mikrofonvorverstärker und allerlei anderes Studioequipment her, dessen Sinn und Nutzen nur Eingeweihten ersichtlich ist.
Musik, über die man sich streiten kann, machen bekanntlich auch Pur. Wenn sie diese live aufführen, geht das dem Vernehmen nach auf keinen Fall ohne die Sequenzer-Software Logic Platinum 6 von Emagic – weil sich nämlich das Arrange-Fenster per Screensets prächtig auf die Erfordernisse des Live-Betriebs anpassen lässt, wie Torsten Kühn, Keyboard-Technician bei Pur, in einem »Interview« auf der Webpage von Emagic betont. Client sind ebenfalls voll des Lobes über Emagic-Produkte. Und auch Scratch Massive ertüfteln ihre Beats mit Logic, können aber auch die Benutzung des Emagic-Software-Samplers EXS 24 empfehlen. Entgegen zu vielen anderen Technik-Herstellern (Yamaha: »Bei Bohlen gestohlen«) oder Händlern (RME) setzen Emagic in ihrer Kommunikation auf anspruchsvolle und ästhetische Werbemaßnahmen, wie die letztjährige Studiokampagne zeigte: Große Studiofotografien prangten hier über eine Doppelseite, und kurze Texte führten neben einem kleinen Packshot ins Thema. Das nenne man Understatement.
Und auch Steinberg gehen in der Produktwerbung reichlich kreative Wege. Neben absurden (Jackie Chan verlässt sich auf Cubase – und auf die Leute, die den HALion und den ganzen VST-Krempel bedienen) finden sich hier auch sehr Intro-spezifische Werbepartner: Das 15-jährige Firmenjubiläum des Indie-Labels L’Age D’Or taugte letztjährig als Anlass, im Internet darauf hinzuweisen, dass Thies Mynther für Superpunk-Platten gern mal den Cubase hochfährt, Jan Müller von Tocotronic ohne Cubase SX ebenso aufgeschmissen wäre wie Tobias Asche von Spillsbury. Für diese Werbung bekamen die Genannten vermutlich ein nagelneues Wavelab – und L’Age D’Or einen Link auf der Seite.
Was Musiker dazu bewegt, für Musikinstrumente oder Studioequipment Werbung zu betreiben, ist ein gut gehütetes Branchengeheimnis. Klassische Endorsements (xxxLink2xxx) funktionieren in aller Regel als eine Art Naturalienhandel: Der Musiker bekommt das Instrument, das er andernfalls ohnehin für teuer Geld kaufen müsste, gestellt – für Touren auch in größerer Stückzahl. Im Gegenzug tut er nichts weiter, als es öffentlich zu benutzen. Kleinere Honorare gibt es, wenn für ein Werbemotiv posiert wird. Oft findet allerdings ein Live-Motiv Verwendung, das nicht selten ein Pressefotograf geschossen hat und das deshalb billig eingekauft werden kann. Denn in der Branche der Instrumentenherstellung tummeln sich viele mittelständische Unternehmen, die für professionelle Werbung kein Geld haben – weswegen Claims, die wirken, als hätten Werbetexter aus der ehemaligen DDR plötzlich Englisch gelernt, keine Seltenheit sind: »Keep on moving mit moving-heads von futurelight PHS-220 Pro Head Spot.«
Auffällig ist jedoch, dass selten Publikumsstars Mikrofone, Gitarren und Software bewerben. Wenn es um spezielle Geräte wie Röhrentechnik geht, besitzt beispielsweise Sting weniger Glaubwürdigkeit als das von ihm eingestellte Fachpersonal. So ist die Firma TL Audio gut beraten, in ihren Anzeigen lediglich Stings Keyboarder und Producer Kipper abzubilden – der ist zwar kein Star, aber ein »musician’s musician«. Und kaufen sollen das Zeug schließlich Mucker – und nicht der Fan, der Sting ganz toll findet. Richtige Stars machen ohnehin andere Werbung: Jim Morrison beispielsweise warb weiland mit dem Spruch »Verpasst du einer Gans eine Ladung Speed, schwimmt sie ewig im Kreis herum« für einen gesunden Lebenswandel.
DSP
Abkürzung für Digitale Signalprozessoren. Spezielle Prozessoren mit eigener Rechenleistung, die durch ihr Chip-Layout auf bestimmte Berechnungen optimiert sind. Werden u. a. auf Audio-Karten eingesetzt, um die CPU des Computers, in dem sie stecken, zu entlasten.
Endorsement
Wörtlich: Aufschrift, Stempelprägung. Bezeichnet im musikalischen Sprachgebrauch einen Werbevertrag zwischen einem Instrumentenhersteller und einem Instrumentalisten. Der Musiker bekommt sein Arbeitsmaterial und exklusive Kundendienstleistungen gestellt, präsentiert auf der Bühne im Gegenzug das Instrument (Logo der Firma auf der Bassdrum).
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