
Musikmesse Frankfurt
Kein Aprilscherz
16.04.2004, 18:19, Text:
Thomas Jensen (a.k.a. DJ Rabauke),
Thomas Jensen (a.k.a. DJ Rabauke)
[1 Kommentar]
Mein Wecker klingelt. Wir schreiben den 1. April 2004. Und es ist 5:00 Uhr. Nein, kein Aprilscherz, sondern bitterer Ernst. Die Messe ruft und Intro auch. Also nix wie los. Nach der schnellen Tasse Kaffee sitze ich schon im Taxi in Richtung Bahnhof. Der Fahrer verwöhnt mich mit dem außergewöhnlichen Programm von Radio Oldie 95,0. Das muss besser werden. Immer noch ohne Frühstück besteige ich den rappelvollen Zug und kehre bald nach der Abfahrt in den Speisewagen ein. Leute, sagt mal, wie kann eine eigentlich ganz nett aussehende Frau morgens um 6:30 Uhr Piccolos vernichten, wie andere Wasser zu sich nehmen? Ich versteh es einfach nicht!
Nach dem feudalen Mahl für sechs Tacken beschließe ich, meine Messestudie schon mal im Großraumabteil zu beginnen.
Mich verschlägt es als Erstes in Halle 5.1, in der einiges an Computer-Hard- und -Software, DJ-Equipment und Multimedia vorgestellt wird. Um Ohren und Füße zu schonen, sind viele Stände mit loungeartigen Sitzgruppen ausgestattet und mit Kopfhörern bestückt. So kann man den Präsentationen entspannt folgen. Andere Hersteller setzen auf herkömmliche Beschallung durch Lautsprecher. Einige versuchen ihren Produkten durch enormen Schalldruck noch mehr Eindruck zu verleihen. So entsteht, durch gegenseitiges Hochschaukeln, ein kaum erträglicher Soundbrei in der Halle. Gegen Mittag fliegt mir das Hirn weg. Es zieht mich zur Mittagspause nach draußen. Dort ist der Frühling angebrochen, und die Bratwurst findet regen Absatz. Die für den internationalen Ansturm nicht vorbereiteten Damen vom Grill (Zitat: »This is for the Pfand of the Becher.«) können der Stimmung keinen Abbruch tun. Das schafft dann ein Gitarrist mit umgeschnalltem Miniamp. Er bricht die wohltuende Stille. Ich weiß nicht, was er spielt, aber es ist scheiße. Sorry. Weiter geht es. An den Hightech-Ständen der großen Hersteller wird wieder präsentiert, was das Zeug hält. Frei nach dem Motto: ALL YOU NEED IS MY ZEUGS. Nimmt man die Präsentatoren beim Wort, und das sollte man mal tun, gibt es eine ganze Menge an tollen, innovativen und leider eher teuren Sachen. Wer suchet, der findet.
Lustige Einlagen durch einen Zauberer beflügeln bekanntlich die Sinne. So hat jeder, der zwischen den Hallen unterwegs ist, auch die Chance, ein Foto mit nach Hause zu nehmen, auf dem ihm ein Tuch aus dem Ohr gezaubert wird. Das ist Entertainment pur. Ich sag es euch. Mein Hauptaugenmerk liegt natürlich in der DJ-Ecke. Dort kann selbst Hand angelegt werden. Das ist auch gut so. Ich für meinen Teil habe dadurch einen katastrophalen Fehlkauf verhindert und eine tolle neue Produktlinie (siehe Messe-Highlights) entdeckt. Am Ende des Tages wohne ich der MIPA-Verleihung bei. Der Moderator kann dem Ringsprecher David Buffer Konkurrenz machen. Oder ist er es am End? Ich bin mir da nicht so sicher. Er übereicht gekonnt die Preise für »Best Guitaramp«, »Best Sample«, »Library«, »Best Drumstick« usw. Ich verlasse nun das Gebäude. Der Wahnsinn hat einen Namen: Musikmesse. Bis nächstes Jahr, Jungs. Ihr wart klasse.
Meine Messe-Highlights:
Technics SL-DZ 1200 – ein revolutionärer DJ-CD-Player, der durch seine 1210er-Ähnlichkeit besticht.
Eowave rauscht mit vier analogen Filterboxen ins 2. Quartal. Abgefahrener Sound.
M-Audio werden mit dem FireWire 1814 den Battle auf dem Interface-Markt einläuten. Spitzentechnik, die zu den Gewinnern gehören wird.
MIPA Award
58 Magazine aus aller Welt wählen die besten Produkte in mehr als 40 Kategorien. Er wurde dieses Jahr das 5. Mal im Rahmen der Frankfurter Musikmesse verliehen und hat inzwischen den Stellenwert eines Grammys erreicht. Als Gewinner gingen diesmal unter anderem ›Ableton Live 3‹, ›Steinberg Cubase SX 2.0‹ und ›Arturia Moog Modular V‹ nach Hause.
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Kommentare
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delamar 27.01.2009 | 11:10:37
Interessant, ich habe gerade diesen fast fünf Jahre alten Artikel entdeckt und wenn ich ihn mir durchlese, wird mir klar, dass sich bei der Musikmesse seit Jahren nicht wirklich viel verändert hat.
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