»Showtime!«
Swizz Beatz x Reebok
27.10.2011, 11:16, Text:
Martin Schnippa
Der US-amerikanische HipHop-Produzent spricht im Interview über seine Zusammenarbeit mit Reebok
Es mag Zeiten gegeben haben, in denen das große Ganze hinter RBK schwer zu fassen war. Der Lack aus Zeiten von einstigen Flagschiffen wie des Pumps oder des Freestyles war ab, die Marke schien den Anschluss verpasst zu haben. Reebok aber spielte sich Stück für Stück zurück an den Green Table, mit den Verpflichtungen von Jay-Z oder 50 Cent wurden über die letzten Jahre die Grundsteine für eine mehr als ambitionierte, street-orientierte Verkaufsstrategie gelegt. Über das Für und Wider von Kollaborationen mit Musikern und Produzenten muss hier nicht mehr gesprochen werden. Viel interessanter ist die Konsequenz, mit der Reebok seine Partner pünktlich zu deren Karrierehoch abholt.
Swizz Beatz als Creative Director der Classics Collection scheint in der Hinsicht nicht einfach eine weitere Werbekampagne mit Starpower zu sein. Sondern die Fort- und Umsetzung eines Plans mit Zukunft. Noch wissen wir nicht, wie die nächsten Züge in diesem Spiel aussehen werden. Fakt ist aber, dass Reebok x Swizz eine Partnerschaft initiiert, über die sich zu sprechen lohnt. Und das tun wir. Mit Swizz. Karten auf den Tisch!
Als Producer und Designer hast Du Dir bereits einen großen Namen gemacht. Jetzt die Collabo mit Reebok – Warum Schuhe, und warum jetzt?
Ich habe in meiner Karriere mit vielen Marken und Firmen kollaboriert. Reebok fühlte sich von Anfang an vertraut an, die Atmosphäre ist sehr familiär. Wenn ich zurück denke, ist Reebok auch ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit, die mich zu dem Künstler gemacht hat, der ich heute bin. Zudem war ich schon immer ein Sneakerhead, und ich arbeite nur mit Marken und Menschen, auf die ich Bock habe und die mich als Künstler respektieren und diggen. Es brauchte nur ein paar Telefonate, und dann hieß es: Showtime!
Als erstes steht der Kamikaze III auf dem Plan. Trotz seiner Nineties-Basketball-Anleihen ein ziemlich einzigartiger Schuh. Hat sich da für Dich ein Traum erfüllt?
Mein Traum hat sich dann erfüllt, wenn jeder einen Kamikaze bei sich stehen hat und ihn rockt! Der Release des Kamikaze ist der Punkt, an dem harte Arbeit ein vorläufiges Ende gefunden hat und lebendig wird. Und das ist nur der Anfang von viel mehr.
Kannst Du uns beschreiben, wie wir uns die Zusammenarbeit zwischen Dir und den Designern von Reebok vorstellen dürfen?
Es ist eine richtige Partnerschaft mit allem Drum und Dran. Ich bin nicht nur ein Gesicht für Reebok oder die Schuhe. Ich bin integraler Bestandteil der Reebok-Familie. Ich habe das große Glück, an jedem Designschritt beteiligt zu sein, der zum Endprodukt führt. Aber meine Beteiligung geht weit darüber hinaus, nur Schuhe zu kreieren.
Nachdem Ihr jetzt mehr als nur einen Sneaker fertiggestellt habt – siehst Du Parallelen zwischen Deiner Arbeit als Musikproduzent und als Schuhdesigner?
Es ist sehr ähnlich. Ich begegne dem Designprozess mit der gleichen Leidenschaft und Liebe fürs Detail wie meiner Musik. Jede Entwicklungsphase im Design der Schuhe ist mindestens so komplex wie der Entstehungsprozess eines Tracks. Die Designer von Reebok sind wie Studiotechniker.
Was bedeuten Dir Farben und Materialien bei Schuhen, wo sammelst Du Inspirationen? An einem Kamikaze CW haben wir Anleihen an den Air Max 95 Neon entdeckt.
Farbe und Material richtig zusammen zu bringen ist vergleichbar mit Beat und Künstler – beides für sich genommen kann dope sein, aber am Ende muss es einfach passen. Für mich ist die Silhouette eines Schuhs die Leinwand, Farbe und Material bringen das Ganze zum Leben. Im Falle der Neuauflage vom Kamikaze wurde ich an einem Punkt im Prozess beteiligt, wo es darum ging, freshe und zeitlose Colorways zu finden.
Du bist ja nicht der erste Musiker, der mit einer großen Marke kollaboriert. Uns scheint, dass Deine Schuhe mit Reebok einen Gegensatz zur letzten großen Kollaboration zwischen Kanye West und Lous Vuitton darstellen.
Der Re-Release des Kamikaze steht ganz im Zeichen der Verknüpfung von innovativen Designs mit zeitlosen Silhouetten. Es war nie unsere Absicht, einen Luxusartikel zu kreieren. Obwohl mich natürlich auch Couture inspiriert, geht es bei Classics um Authentizität. Ich respektiere Kanyes Arbeit für LV, sie ist definitiv visionär, aber was wir hier machen, ist sehr anders.
Erzähl mal von Eurem »Name these Kicks!«- Projekt. Wie kam es dazu, dass Ihr die Namensfindung den Fans überlassen habt?
Ich halte ständigen Kontakt zu meinen Followern auf Twitter und lasse mir immer wieder etwas einfallen, wie ich sie in meine künstlerische Arbeit mit einbeziehen kann. Sie sind Teil der Kultur, die wir mit unseren Schuhen erreichen möchten. Warum also sie nicht direkt fragen, wie der Schuh heißen soll, den sie am Ende ja auch tragen werden?
Betrachtest Du Dich als Teil der Sneaker- Community? Bist Du up to date, was die neuesten Entwicklungen angeht?
Absolut. Ich bin ein Mann mit vielen Gesichtern: Musikproduzent, Maler, Rapper, Designer und Sneakerhead! Ich lebe Sneakerkultur, schon mein ganzes Leben lang. Sonst könnte ich auch nicht mit Recht behaupten, Reebok Classics neues Leben einhauchen zu können. Und mein Umfeld würde es mir auch nicht abnehmen.
Sammelst Du auch Sneakers? Gab es für Dich so etwas wie ein Initial-Erlebnis mit Schuhen?
Obwohl ich mich ganz klar als Sneakerhead bezeichne, war es nie meine Absicht oder mein Ziel, so viele Schuhe wie möglich anzuhäufen. Ehrlich gesagt habe ich mittlerweile mehr, als ich zählen kann. Deswegen spende ich oft welche für wohltätige Zwecke. Ich erinnere mich, wie ich mein erstes Paar kaufte, 1989, tatsächlich einen Reebok Pump. Das war in der South Bronx in einem Sneakerstore auf der 3rd Avenue. Ich bin in den Laden rein und der Verkäufer sagte mir, es seien die heißesten Teile überhaupt. Ich musste sie unbedingt haben. Und jedes Mal, wenn ich sie aufgepumpt habe, fühlte ich mich wie ein Superheld. Alles, was ich tat, fühlte sich besser an, nur weil ich The Pump hatte, der mich auf ein neues Level hob!
Steht eine größere Absicht hinter Deiner Kooperation mit Reebok? Glaubst Du, Dich mit der Classics Collection auch auf dem europäischen Markt behaupten zu können?
Mein Ziel ist, Reebok dabei zu helfen, Geschichte zu schreiben. Ich nutze meine Freunde, meine Musik und meine Kreativität, um das zu ermöglichen. Alle meine Kräfte stecken in diesem Projekt. Ganz klar eine Win-Win-Situation!
Interessiert Dich die europäische Rapszene?
Ich liebe alle möglichen Arten von Musik, und ich reise auch oft nach Europa, meine Frau und ich lieben es, dort aufzunehmen und zu produzieren. Eine Menge europäische Künstler hinterlassen einen großen Eindruck in den Staaten. Gerade höre ich zum Beispiel gern Dot Rotten, Wiley, Theophilus London und Anita Tijoux.
Abgesehen von Deiner neuen Aufgabe als Creative Director bei Reebok: Auf welche musikalischen Projekte Deinerseits dürfen wir uns freuen?
Ich release mein Album diesen Herbst “Haute Living” ist mein Solo Projekt, auf dem ich sowohl als Produzent als auch als Rapper auftreten werde. Ich habe eine Menge interessanter Features dabei, zum Beispiel Kanye, Bono, Lenny Kravitz oder Eve, um nur ein paar zu nennen. Mehr kann ich leider noch nicht verraten, nur soviel: Ich versichere euch, dass die Welt so etwas noch nicht gehört hat!
Das Interview ist ursprünglich in Sneaker Freaker #3 erschienen.
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