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Im Koffer mit

Moneybrother

26.01.2010, 12:41, Text: Katharina Poblotzki, Foto: Katharina Poblotzki

Anders Wendin überrascht es kein bisschen, dass er statt über seine Platte über seinen Style reden soll: "Die schwedische Szene ist besessen davon. In fünf von zehn Interviews dort fragen mich die Leute nach Modemarken statt nach meiner Musik. Hoffentlich enttäusche ich eure modischen Erwartungen gegenüber meinen Landsleuten nicht!"

Zum Interview kommt er über eine Stunde zu spät, er musste nämlich noch shoppen. Das soeben gekaufte Jacket von Herr von Eden führt er zum Trost sogleich vor. Wer hätte es anders gedacht: Das Warten hat sich gelohnt. "Diese Indie-Bands sehen fast alle gleich aus, ich versuche schon, mir ein bisschen mehr Mühe zu geben. Ich gucke auch bei den neuen Jungs in meiner Band danach, ob sie bei den Gigs was Anständiges anhaben. Aber das sind ja auch schwedische Jungs, die wissen einfach, wie man sich anzieht. Und das tun sie schon viel besser als deutsche Kerle, findest du nicht?" Ähem, ja. Eitles Pfauengehabe dagegen ist auch nicht immer leicht zu ertragen. "Hm, vielleicht hast du recht. Ja, vielleicht ist das wirklich die Sorte Kerl, die sich dann auch selbst beim Sex im Spiegel anguckt." Das hingegen hat niemand behauptet.


Aber Anders lässt sich gar nicht aus der Ruhe bringen, denn immerhin wusste er schon immer, wie er aussehen wollte: "In meinem Kopf hat sich schon sehr früh dieses Idealbild manifestiert, wie ein Mann auszusehen hat, es ist und bleibt eine Mischung zwischen Skinhead und Zigeunerlook." Stilsicherheit fürs Leben hin oder her, einen Nachteil räumt er seinem Look doch ein: "Man kann von meinen Klamotten überhaupt nicht auf meine Musik schließen. Ich passe nicht in einen Uniform-Dresscode, an dem man bei vielen Acts auf Fotos oder Covern sofort erkennen kann, was für Musik sie machen. Würde ich mich mehr anziehen wie Bruce Springsteen - weite Blue Jeans, weißes Hemd und Bandana -, vielleicht würde ich dann mehr Platten verkaufen." Tja, Anders. Aber für guten Stil kann man auch mal ein bisschen leiden.


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aus Intro #179 (Februar 2010)
 
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