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Schon seit Ewigkeiten in Mode

Die Röhrenjeans

20.11.2009, 15:46, Text: Dirk Mönkemöller, Foto: Elisabeth Moch

Bei Modetrends ist es ja so: Die Ersten und die Letzten sehen immer scheiße aus. Sich aus diesem Grund möglichst unauffällig zu kleiden ist zwar eine Option, aber modisch nicht legitimiert. Dirk Mönkemöller zieht den Hut vor denjenigen, die am Anfang eines Trends stehen und es in Kauf nehmen, scheiße auszusehen, für diejenigen am Ende eines Trends hat er dagegen kein Mitleid.

Beim Thema Röhrenjeans lässt sich die oben genannte Judgement-Schablone allerdings nicht ohne Weiteres anwenden. Dafür verlief die Karriere des beinschmeichelnden Denims zu unlinear. Werfen wir rasch einen Blick auf die turbulente Karriere der Röhrenjeans: In den Siebzigern gaben die Hippies ihrem Beinkleid ebenso viel Freiheit wie ihrem Hosenlatz und ihrem Oberstübchen, also zeigten die Vertreter der aufkeimenden Gegenkultur prompt, wo der Hammer hängt. Nämlich schön eingeengt in einer "slim-fit pant", zur Schau getragen von Schreckgespenstern wie Iggy Pop oder den Ramones. Nevermind the 501, here comes the Röhre, gerne extrem aufgetragen und mit zerrissenen Knien.


Dann die Achtziger: Deutsche NDW-Stars wie Nena vergewaltigten den Punklook, in den USA nahmen sich toupierte Softrocker wie Mötley Crüe oder Twisted Sister der sogenannten "nut hugger" an. In den Techno-Neunzigern trugen die Leute lieber Staubsauger auf dem Rücken als Skinny Jeans, in den Nullern hatte die Röhrenjeans dann aber im allgemeinen Retro-80s-Wahn ein ernst zu nehmendes Revival. Wobei man sich streiten kann, ob der ehemalige Dior-Chefdesigner Hedi Slimane die Lawine lostrat (ein unangenehmer Affe, der aus Punk und New Wave eine Coffeetablelektürenkultur gemacht hat), oder ob die Stockholmer Firma Cheap Monday den Aufruhr zu verantworten hat. Vermutlich eher die Schweden, sie haben ja quasi Slimanes "Vision" bezahlbar fürs Volk gemacht. Mittlerweile wurde Cheap Monday von H&M gekauft, bezeichnend dafür, in welcher Mode-Dimension dieser Trend inzwischen angekommen ist.

Die 00er haben bald ausgedient, doch die Röhre schleift die 80s durch die Dekade hindurch hartnäckig hinüber nach 2010 - und zwar auch abseits bestimmter Subkulturen. Was sind das für Gruppierungen, die sich immer noch ins enge Denim zwängen? Man kann diese Menschen grob in vier Kategorien einteilen:

Erstens: Skater. In dieser Szene gibt es eine erstaunlich lange Tradition der Röhre. Was zunächst behämmert erscheint, wo doch Skateboarding eine Bewegungssportart ist, "Skinny Jeans" jedoch eher wenig Beinfreiheit bieten. Jahrelang fuhren Skater mit abscheulichen Hängehosen durch die Gegend, doch irgendwann um 2000 herum kam ein Typ namens Tony Trujillo um die Ecke, komplett in Schwarz gekleidet, lange Mähne, enge Hosen. Einfach ein geiler Typ. Dank ihm hat Punkrock wieder einen Platz im Herzen (fast) aller Skateboarder.

Zweitens: Indierocker. Muss man an dieser Stelle nicht viel zu sagen. Wahrscheinlich seht ihr selbst so aus. Nur dass ihr die Röhrenjeans bei Zara geholt habt und hoffentlich nicht in einer hässlichen Pastellfarbe.

Drittens: Metalheads. Die sind konservativ und stecken seit Jahrzehnten die Beine in die Röhre (und sehen auch sonst immer gleich aus). Das gilt ebenso für die ganzen Schwarzkittel-Splittergruppen.

Viertens: Hübsche/Hässliche. Hier kommen wir nun zum Pudels Kern. Denn enge Hosen sind wahrlich nicht für jeden Menschen das geeignete Kleidungsstück. Mal sind die Beine zu krumm, mal ist der Hintern zu rund. Das, was in gelungenen Fällen im Auge des Betrachters für die Röhrenjeans spricht, macht sie in den weniger gelungenen Fällen wieder zunichte. Sprich: Dieser Modetrend ist doch eher selten eine Augenweide. Das wird umso augenfälliger, desto näher wir uns dem Ende des Röhrenhosentrends bewegen. Gott sei Dank kommen jetzt wieder weit ausgestellte Pluderhosen in Mode. Und die Ersten beim Sackhosentrend sehen natürlich direkt wieder scheiße aus.



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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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