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Fashion 2.0

New Kids On The Blog

20.11.2009, 14:14, Text: Katharina Poblotzki, Foto: Elisabeth Moch

Damals, als Facebook noch Friendster hieß, wurde der Fashion-Blog aus einer großen Not heraus geboren: Für manche Styler war das 24-7-Schaulaufen in dem eng gesteckten Rahmen des eigenen Web-Profils einfach nicht genug, mehr Applaus musste her. Das tägliche Outfit-Post war geboren.

Ebenso wie das Netz die Mode demokratisiert hat, haben Modeblogs dem Jahrmarkt der Eitelkeiten die ultimative Legitimation erteilt. Unter der gestrengen Beobachtung von glühenden Followern und ätzenden Lästermäulern konnte nun mehrfach täglich der Kostümwechsel stattfinden. Ob zu Hause vor der weißen Wand oder in der Umkleide bei H&M, sie nennen es Arbeit.


Und die geht bei einer Menge schwedischer Schulmädchen und deren Mode-Tagebüchern mittlerweile so: Die Anbindung an Netzwerke oder große Tageszeitungen wie Aftonbladet finanziert den dringend notwendigen Klamottenkonsum für die tägliche Blog-Arbeit, im Gegenzug gibt es für die Muttermedien Einblicke in die Street-Credibility der Endverbraucher. Nicht wenige haben sich damit einen Namen oder sogar eine handgebastelte Karriere in der Modebranche gemacht.

Die momentane Königin der Bloggerinnen dürfte dem Gesetz nach noch nicht mal einem Job nachgehen: Tavi Gevinson, 13, hing auf der letzten New York Fashion Week mit Marc Jacobs ab und saß mit Anna Vintour bei den Shows in der ersten Reihe. Sie ist weder eine alkoholkranke Celebrity-Tochter, noch hat sie in einem Disney-Musical mitgespielt, sondern hat sich freakige Outfits aus dem Kleiderschrank ihrer Mutter zusammengestellt und die Fotos davon auf ihren Blog Style Rookie gepostet. Anfangs wurde noch gemutmaßt, ein älterer Fashion-Insider verfasse die Posts, denn neben einer Menge bissiger Kommentare legt Tavi eine gute Portion Schärfe und Selbstkritik an den Tag, welche die Bloggemeinde anscheinend im Sumpf der Selbstbeweihräucherung ihres Genres vermisst hat.


Die neuen Pierre-Hardy-Plateauschuhe, die Tavi in ihr Kinderzimmer in einen Chicagoer Vorort geschickt bekommt, sind ihr natürlich zu groß, die Fotos von ihr und dicken Socken in den High Heels sind aber wiederum ein Style, den die Fans feiern. Auf ein paar Magazintitel hat die Pubertierende es mittlerweile auch geschafft, ein Medium, das ihr besonders am Herzen liegt: "Ich behandle meine Mags wie Bibeln. Nachts halte ich sie im Arm und rieche an ihrem Papier und bin ein bisschen creepy." Hoffentlich ist da ein kleiner Nerd in Tavis Klasse, der auch eine schreckliche Brille trägt und zu ihr hält, wenn die anderen Kids mal wieder einfach nur Gap tragen.





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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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