Im Koffer mit
Amanda Blank
06.10.2009, 16:58, Text:
Katharina Poblotzki, Foto: Katharina Poblotzki
Das Faszinierende an Ameisen ist, dass sie das Vielfache ihres eigenen Körpergewichts tragen können. Betrachtet man die beiden riesigen Koffer in Amanda Blanks Hotelzimmer in Relation zur Erscheinung der Sängerin, scheint sie ähnliche Kräfte zu besitzen - zumal die "Heavy Luggage"-Tags an ihrem überdimensionalen Gepäck davon zeugen, dass man sie mit der darin enthaltenen Menge Klamotten mindestens zweimal aufwiegen könnte.
Die Verifizierung fällt leicht: Amanda Blanks Körperbau kann man genauestens begutachten, sie trägt nämlich einen Body mit Herzchenmuster - und sonst nix. Ob sie so auch rausgehen würde? "Eigentlich trage ich so niedliche Sachen nicht, aber einen Kaffee würde ich mir darin schon holen, ja." Wohlgemerkt, Amanda hat keine Hosen an. Dafür sind ihre Nägel zu lang, ihre Haare zu tussig und ihr Schmuck (in der Mehrzahl aus unechtem Edelmetall) too much, genau wie sich das für ein Philly-Girl gehört. "Ich weiß nicht, ob alle Leute hier meinen Italo-Philadelphia-Style verstehen, eigentlich trage ich noch viel, viel mehr Schmuck, ich habe nur zu viel Angst, auf Tour alles zu verlieren. Wenn es um mein Gold geht, bin ich ein bisschen paranoid!"
Momentan ist sie aber Frau ihrer Garderobe und steht mitten in einem ihrer monströsen Koffer, während sie aus dem glitzernden Chaos unter ihr ein Lycra-Leopardenmuster nach dem anderen herauszieht. Jedes einzelne Teil ein Verstoß gegen Sitte und Anstand: "Es ist jedes Mal das Gleiche, ich habe diesen ganzen ausgeflippten Mist dabei, aber kein einziges anständiges Outfit, um in ein Restaurant zu gehen. Am letzten Abend meiner Tour mit Santigold hatte ich nur noch ein sauberes Kleidungsstück, diesen winzigen, hautengen, durchsichtigen Fetzen. Santi fand's sexy, ich hab mich aber die ganze Zeit gefühlt, als würde ich ein Kondom tragen."
Alles Koketterie, denn letztlich ist ihr das natürlich lieber, als sich auch nur in einem Detail ihres überdimensionierten Styles zurückzunehmen. Alles geht, außer casual: "Anfangs wollte ich mich bei Shoots nicht schwierig anstellen und zog das meiste von dem an, was die Stylisten anschleppten. Peaches hat mir mal gesagt: >Hör bloß auf damit.< Und sie hat verdammt noch mal recht. Jedes Mal dachte ich: >Gott, seh ich doof aus.< Bei einem Paar Baggy Jeans bin ich dann das erste Mal richtig sauer geworden. Wenn ich mich in meine Skinny Jeans reinquetsche, muss es krachen, sonst sind sie einfach noch nicht eng genug!"
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