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Ana Hernández-Cornet

Konzeptkunst meets Kitsch

23.09.2009, 12:29, Text: Andreas Schmidl, Foto: Bo & Marion

"Mode ist der Versuch, Kunst am lebenden Objekt im sozialen Kontext zu realisieren." Dieses Zitat von Francis Bacon passt der Modemacherin Ana Hernández-Cornet ziemlich gut in ihr Designkonzept. Die Stockholmerin designt für Menschen mit Charakter und ausgeprägtem Sinn für Selbstdarstellung. Für ihren Mode-Kunstfilm "Splosh" setzte sie sich künstlerisch mit Aquaphilie auseinander, der sexuellen Faszination für Wasser und nasse Materialien. Andreas Schmidl hat sie zu nassen T-Shirts und Geschmacklosigkeiten befragt. Fotos: Bo & Marion.

Meine Recherche begann mit dem "Wet T-Shirt"-Thema, dann entdeckte ich Aquaphilie. Keines der beiden Phänomene bezog sich zwingend auf Nacktheit oder Pornografie, der Film soll den Betrachter in eine unbekannte, merkwürdig-geheime Welt führen. Die Kollektion ist sehr minimalistisch, wenn man es mit der komplex-abstrusen Inspiration vergleicht. Vor allem aber wird das Thema durch die Materialien reflektiert: Die Stoffe haben einen nassen, glänzenden Look. Seide, Polyester und halbtransparente Baumwolle treffen auf Neopren und Fischleder, mit weiten, kastigen Schnitten und sehr engen Passformen.


Was sind deine Fetische?
Wenn wir über Mode-Obsessionen sprechen, dann mag ich widersprüchliche Materialien und Objekte. Dinge, die nicht zusammenpassen. Zum Beispiel ein cleanes, perfekt abgestimmtes Outfit mit total heruntergetragenen Sneakern. Oder ein hautenger schwarzer Lederrock mit einem übergroßen, verwaschenen T-Shirt.

Welche Einflüsse finden sich hinter deiner neuesten Kollektion für Herbst/Winter 2009?
Die Kollektion ist inspiriert von Transvestismus und Bisexualität. Sie spielt mit Geschlechterrollen und dem Schwanken zwischen maskulinen und femininen Verhaltensmustern. Frauenmode transformiert zu Herrenmode transformiert zu Frauenmode. Klassische Herrenhemden werden kombiniert mit Rüschenleggings, steife Kragen zieren fließende Kleider.

Gibt es ein Kleidungsstück, das als stellvertretend für deine Ästhetik betrachtet werden kann?
Ich arbeite immer mit einem schlichten, weit geschnittenen Hemd. Es bildet sozusagen die geschlechtsneutrale Basis. Grundprinzip meiner Arbeit ist die Zusammenführung des Ultra-Maskulinen und Ultra-Femininen in einem Kleidungsstück.

Wie möchtest du die gegenwärtige Mode-Mentalität verändern?
Ich denke, Menschen sollten sich viel riskanter kleiden. Betrachtet man Schweden, so sind die Menschen recht besorgt, was ihren Kleidungsstil betrifft. Sie wollen alles richtig machen. Darum sind sie wohl auch so gut darin, Trends aufzugreifen. Ich würde Frauen gerne selbstbewusster sehen, und nicht darum bemüht, ihren Körper unter Hunderten von Stofflagen zu verbergen.

Was ist das derzeit provokanteste Herren-Kleidungsstück, das eine Frau tragen kann?
Es gibt nur noch wenige Regeln, die noch nicht gebrochen wurden. Viel wichtiger aber sind die eigene Haltung und die Situation, in der man sich befindet. Eine Frau, die als besonders schön gilt, provoziert, indem sie sich bewusst gleichgültig und unweiblich kleidet.

Was ist das Geschmackloseste, das du besitzt?
Eine Skulptur von meinem Ex-Freund. Ein Liebespaar im Kuss vereint aus schwarzem Emaillelack. Sehr Achtziger. Ach, und als ich aufwuchs, hatten wir diesen Riesen-Fuchsschwanz im Wohnzimmer - mein Vater dachte wohl, er mache sich gut auf unserer schwarzen Ledercouch. Dann gab es noch zwei Gemälde in Tupftechnik, die zwei unbekleidete küssende Frauen zeigen. Mein Vater ist Spanier, das entschuldigt seinen zweifelhaften Geschmack.

www.hernandez-cornet.com

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aus Intro #175 (September 2009)
 
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