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Im Kleiderschrank mit

Niobe

29.07.2009, 17:48, Text: Katharina Poblotzki, Foto: Katharina Poblotzki

"Die Klingel ist kaputt, ich lasse alle Türen offen, du kannst einfach reinkommen." Yvonne Cornelius (besser bekannt unter dem Namen ihres Musikprojekts Niobe) hat keinen Grund, die Garderobe in ihrem Loft in der Kölner Südstadt zu verstecken, dafür ist sie zu sorgfältig aufgeräumt.

So aufgeräumt, dass man den Eindruck gewinnt, es gäbe in der reduzierten und wenig nach Trends gerichteten Sammlung kein Stückchen Stoff zu viel: "Ich würde mich als einen sehr glücklichen Menschen bezeichnen, weil ich über die Jahre Kleidung gesammelt habe, und zwar nach dem Motto: Wer teuer kauft, spart!"


Hier und da blitzen ein paar Rüschen und Muster aus den Kleiderreihen heraus, obenauf thront ein Filzhut, in dem Federn stecken - vielleicht hat Niobe ihn da platziert, damit die modische Balance des Kleiderschranks nicht aus dem Takt gerät. Dessen Ausrichtung hat viel mit ihrer speziellen Modesozialisation zu tun: "Als 18-Jährige wollte ich aussehen wie 35, das war immer mein Traumalter! Ich ging nur in Boutiquen, die Bleistiftröcke verkaufen, wie ich ihn heute trage. So richtig jung und jugendlich wollte ich mich eigentlich nie kleiden, deswegen blieb ich beim Sekretärinnen-Look, karierten und gestreiften Blusen. Mein Lieblingsladen ist immer Aigner gewesen, aber ich schaue es mir schon gar nicht mehr richtig an, weil es deprimierend ist, dass ich es mir nicht leisten kann!" Da kommt es gelegen, dass sich Niobe manche Teile selbst auf den Leib schneidern kann - denn auch wenn sie einst die Schneiderlehre abbrach, die Skills sind haften geblieben.



Den Kleidungsstil ganz und gar auf ihr Image als Künstlerin zu münzen, diesen Anspruch diktiert sich Niobe nicht - und so sieht man ihr das Dunkle ihrer Stimme und des Artworks ihres neuen Albums "Black Bird's Echo" nicht an, im Gegenteil, sogar das Schwarz ihrer Haare hat mittlerweile einem warmen Ton Platz gemacht. Da kommt man glatt auf den Gedanken, dass hier die vielen Jahre rheinischer Frohsinn gewirkt haben - doch Pustekuchen, Niobes Erfahrung mit der Kölner Gelassenheit ist eine andere: "Ich kam als Paradiesvogel nach Köln, aber in dieser Stadt wird man nur angelächelt, wenn man ungeschminkt und unauffällig über die Straße geht. Mir ruft man aber öfters hinterher: 'Wir haben doch gar keinen Karneval!' Wenn ich unterwegs zur Stadtbücherei bin, kann es halt passieren, dass ich Petticoat trage."

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aus Intro #174 (August 2009)
 
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