UdK schau09
Fallschirme und Pferdeköpfe
27.07.2009, 18:29, Text:
Kathrin Leist
Die Berliner Universität der Künste (UdK) ist als einzige Modeschule auf der Berlin Fashion Week im Spotlight vertreten. Ein Grund mehr, dass unsere Autorin Kathrin Leist etwas genauer hinschaute, als die Mode-Diplomanden ihre Abschlusskollektionen vorstellten.
Gelegenheiten, ihren Models den Gang zu erschweren, fanden die Jungdesigner en masse: Zarten Staturen wurden Schwergewichtsheber-Felle aufgeschultert oder gleich Pferdeköpfe aufgeschnallt, Schilder und eine Armsessel-Rückenlehne hingen auf den schmalen Rücken, und an die Hemden wurden fallschirmartige Umhänge genäht, sodass die Lauf-Luft anti-aerodynamisch eingefangen wurde.
Kurzum: Es gab sie, die Entwürfe, wie man sie von jungen Designern erwartet, auf der sonstigen Berliner Fashion Week aber immer noch selten findet: nicht praktisch, sondern inspirierend. Damit wir uns aber nicht falsch verstehen, ganz so abgrenzlerisch waren die Absolventen dieses Jahr nicht unterwegs. Statt in futuristischen Visionen zu schwelgen, nahmen die elf Absolventen moderne Trends aus Mode und Kunst auf: megabreite Schultern, Schleifen und Korsetts, Materialien wie Fell, Federn und Leder erinnerten an Werke Joseph Beuys'. Spielt die Zukunft keine große Rolle bei der Abschluss-Schau, weil die Studenten Angst vor ihr haben? "Natürlich sind sie nicht glücklich über die gegenwärtige Berufssituation", so Professor Stephan Schneider trocken. Absolvent Thomas Behrens ist dagegen positiver eingestellt: "Ich glaube umso fester an mich." Und auch Kommilitonin Teresa Lindenmayer kann den aktuellen Zukunftsängsten ihr Gutes abgewinnen, indem sie in die Sensibilität flüchtet: "Ich bin mehr interessiert an abstrakten Atmosphären und stillen Momenten, ähnlich wie in Träumen."
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