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Im Koffer mit

The Noisettes

22.06.2009, 13:30, Text: Katharina Poblotzki, Foto: Katharina Poblotzki

Ein bisschen Bling-Bling kann im tristen Touralltag schon mal lebenserhaltende Funktionen haben. Und derer bedarf es heute, denn die sichtlich unausgeschlafene Band muss sich schon nachmittags in dem nicht gerade einladenden Venue einfinden.

Die Fenster sind mit schwarzer Folie beklebt, und die Party der letzten Nacht hängt noch als schaler Geruch in der Luft. Shingai Shoniwa, Frontlady bei The Noisettes, trägt als erhellende Maßnahme nicht nur ein paar winzige Pailletten-Hotpants, ihr von riesigen Ketten und dicken Klunkern überquellendes Gepäck hat ebenfalls Endorphin-Funktion: "Ich brauche einen Koffer voller Farben. Auf der Bühne hat die Mischung aus Outfit, der Musik und der Show, die du lieferst, etwas Behagliches; viel mehr brauche ich das Aufbrezeln aber im Touralltag. An einem regnerischen Tag mit Heimweh in Washington D.C. brauche ich im Hotelzimmer nur meinen Koffer aufzumachen, und mein Schmuck und Glitzerkram päppeln mich wieder hoch!"


Das Modepotenzial der beiden Bandkollegen Dan Smith und Jamie Morrisson wirkt bei oberflächlicher Kofferinspektion eher pragmatisch, wird aber durch einen gewissen Nerd-Charme weich aufgefangen. Anders als der gemeine Indie-Band-Mob ihrer Heimatstadt London hat sich die Band keinem Style auf Lebenszeit verpflichtet, dafür bringt Shingais Vergangenheit in der Londoner Radio-Piratensender-Szene zu viele Stil-Prägungen mit sich: "Ich switchte ständig zwischen Ragga, Dancehall und R'n'B, und dann kam ich nach Hause, und meine Mutter hörte afrikanische Musik. Ich hätte mich niemals nur einer Gang oder einer Mode anschließen können."


In Sachen modische Neufindung hat die Sängerin noch eine Ansage an den Facehunter, der täglich den letzten Hipster-Hype Londons vom East End über seinen Streetstyle-Blog ins lechzende Mode-Netz speist: "Brick Lane ist nicht wirklich das Epizentrum des London-Stils, diese Gegend beansprucht einfach nur eine Monopol-Stellung für genau die modischen Subkulturen, die es nicht darauf anlegen, fashionable zu sein, und es kurze Zeit später umso mehr sind. Diese Trends werden in den Vierteln der Stadt gemacht, wo sich die reichen Kids unter die armen mischen, die indischen unter die afrikanischen, die toughen Jungs mit den Proll-Chicks inklusive zur Seite gedrehtem Käppi abhängen. So werden die neuen Styles geboren."

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aus Intro #172 (Juni 2009)
 
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