Ann-Sofie Back

Frage-Antwort-Spiel

27.02.2007, 16:18, Text: Silke Bücker

Wenn man es böse formuliert, sichert sich die Designerin Ann-Sofie Back ihr Brotgeld in einer Branche, die sie im Grunde in vielerlei Hinsicht verachtet. Wobei man hinzufügen muss, dass das, was sie stört, nicht die Mode selbst ist, sondern die Gesetze und Regeln, nach denen das System funktioniert. Mit ihren Kollektionen setzt sie deshalb einen Kontrapunkt zum herrschenden Ideal, sie führt die Mode vor, enttarnt ihre Lügen – und ist damit ausgesprochen erfolgreich.
Seit ihrem Studium am St. Martins College in London (Graduation 1998) lebt und arbeitet Ann-Sofie Back in der englischen Hauptstadt. Geboren wurde sie hingegen an einem Ort, der gegensätzlicher kaum sein könnte: Stenhamra, ein kleines provinzielles Nest unweit von Stockholm.

Den eintönigen und oft einsamen Tagen ihrer Kindheit und Jugend verdankt Ann-Sofie letztlich ihre heutige Haltung: “Ich benutzte Mode zunächst als Weg, um Stenhamra zu entfliehen und nach etwas Glamouröserem und Perfekterem zu suchen. Später jedoch, als ich anfing, in der Modebranche zu arbeiten, stellte ich fest, dass ich nicht wirklich in eine schöne und makellose Welt gehöre. Also nutzte ich diesen Umstand als neuerliche Inspirationsquelle. Das Bewusstsein, Fehler zu machen im stetigen Streben, das Ideal zu erreichen, und doch immer wieder zu scheitern.”
Diese Ambivalenz wird in Ann-Sofies Kollektionen deutlich. Ihre Mode lebt von Brüchen und enttarnt schonungslos das, was anderswo tunlichst vertuscht werden soll. So tauchen in ihrer Sommerkollektion 2007 etwa hautenge Pullover und Kleider auf, die sie aus Draht oder durchsichtigem Plastik fertigt. Dazu ziehen sich seltsam anmutende Säume, Halsausschnitte oder Gürtel durch das Bild, die an stoffüberzogene Fahrradschläuche erinnern. Vorteilhaft oder schmeichelnd ist all das keineswegs – zumindest nicht nach den üblichen Sehgewohnheiten. Gleiches gilt auch für die engagierten Models, die ganz selbstverständlich kurze Beine oder eine breite Taille offenbaren. Damit rüttelt Ann-Sofie gnadenlos an der allerorts kolportierten Vorstellung einer perfekten Frau: “Ich habe große Probleme damit, wie Frauen in Mode, Medien und Film dargestellt werden, und versuche deshalb, im Rahmen meines Schaffens eine Antithese zu formulieren.” Schon zu Schulzeiten waren ihr die üblichen Anpassungs- und Abgrenzungsmechanismen ein Dorn im Auge. Eine Weile machte sie das Spielchen mit, um entsprechende Anerkennung von ihren Klassenkameraden zu erreichen: “Ich begann, mittels Kleidung zu lügen. Ich glaube nämlich nicht, dass man mit seinem Outfit die Persönlichkeit unterstreicht, eher im Gegenteil. Doch den meisten Menschen misslingt dieses Unterfangen des Verschleierns. Die Diskrepanz zwischen dem, was man ist, was man gerne wäre und wie die anderen einen sehen, das ist etwas, was mir Impulse liefert.”
Ihre subversive und kritische Haltung bescherte Ann-Sofie Back rasch internationale Aufmerksamkeit. Zweifelsohne bleibt es trotzdem ein Problem, mit derart avantgardistischem Tun den Lebensunterhalt zu sichern. Deshalb launchte die Designerin vor drei Saisons eine Zweitlinie mit dem Namen BACK. Da, wo Ann-Sofie Back Makel enttarnt, roh und unfertig wirkt, schließt BACK die Lücke. Die Silhouetten betonen die weiblichen Formen, ohne sie unnötig hervorzuheben, schmeicheln dem Körper, statt ihn zu entblößen. So wird der Draht durch Wolle ersetzt, und dekorative Stoffrosen prägen die Kollektion für den kommenden Sommer. Gefällig ist BACK jedoch ganz und gar nicht, Tradition und Vorhersehbarkeit werden gebrochen, wenn Knöpfe an ungewohnten Stellen auftauchen und aus einem Pullover dem Anschein nach einen Cardigan machen oder wenn Hemdsärmel zum Gürtel beziehungsweise Trageriemen einer Tasche umfunktioniert werden. “Mit Ann-Sofie Back stelle ich meine Fragen, mit BACK antworte ich darauf. Ich bin eine sehr langsame Designerin, und BACK ist für mich ein Weg, meine Arbeit zu verstehen und zu interpretieren, es ist die Antwort an mich selbst und an meine Käuferinnen. Ich entwerfe BACK mit einem sehr klaren Bild meiner Kundin im Kopf. Es wäre ganz schön dumm, die ursprünglichen Ideen hinter der Hauptkollektion nicht zu nutzen und etwas dafür zurückzubekommen.”
.: www.annsofieback.com :.



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aus Intro #147 (März 2007)
 
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