Made in Fair Trade

Der Boom der Öko-Mode

07.01.2007, 10:00, Text: Lars Weber

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, als Öko-Mode noch für kratzende Kleidung in fröhlichen Farben stand, die etwa aus Lateinamerika stammte und in Bio-Läden verkauft wurde. Immer mehr Designer legen Wert auf korrekte Produktionsbedingungen, ohne dabei Abstriche bei ihren Entwürfen zu machen bzw. machen zu müssen. Die französische Sneaker-Marke Veja steht genau dafür ein, genauso wie die irische Edun, um zwei Labels unter vielen herauszupicken.

Spätestens durch Naomi Kleins Buch “No Logo” (2000 zunächst auf Englisch erschienen) konnte jeder Interessierte von den ganz auf Ausbeutung angelegten Produktionsmethoden der Riesen in der Bekleidungsbranche erfahren. Die Autorin hatte in Asien mit Textilarbeitern gesprochen, die Nike-Turnschuhe oder Gap-Pullis herstellen. 12-Stunden-Tage, kein Urlaub und Hungerlöhne waren die Regel, wobei die betroffenen Konzerne stets darauf verwiesen, dass sie lediglich Auftraggeber seien und stattdessen die Sub-Unternehmer für Arbeitszeiten und -bedingungen sowie für Lohn verantwortlich zeichneten.


Diesen Kreislauf der Ausbeutung zu durchbrechen ist ein Hauptanliegen von fairem Handel, der bislang eher mit Kaffee, Reis und besagten Hinterhofläden in Verbindung gebracht werden konnte. Die beiden Gründer der Sneaker-Marke Veja, Sébastian Kopp und François-Ghislain Morillon, wurden tatsächlich durch den gut funktionierenden fairen Handel im Lebensmittelbereich inspiriert und wollten gerne selbst ein Projekt starten: “Im Textilbereich gab es da nicht viel außer Ponchos. Wir wollten ein hochwertiges Produkt, das in Rio genauso wie in New York getragen wird und optisch auch was hermacht.” Nach ihrem Wirtschafts-Studium waren die beiden auf verschiedenen Kontinenten unterwegs, um für große französische Firmen Entwicklungshilfeprojekte zu überprüfen, die meistens schlecht liefen: “Uns wurde klar, dass Armut nicht allein mit Geld bekämpft werden kann. Warum sollten wir es also nicht mit fairem Handel probieren?” Kopp betont dabei aber klar, dass Veja keine Wohltätigkeitsgeschichte ist: “wir arbeiten direkt mit den kleinen marginalisierten Produzenten von Bio-Baumwolle und natürlichem Kautschuk zusammen und handeln mit ihnen die Preise aus, wobei die Weltmarktpreise außer Acht gelassen werden. Wir zahlen unseren Partnern das Dreifache. Außerdem zahlen wir ihnen noch eine Prämie, wenn sie sich vor Ort mit sozialen oder Umweltprojekten engagieren.” Die Produktionskosten liegen somit sieben bis acht Mal höher als bei regulären Turnschuhen. Da es bei Veja aber kein Budget für Werbung oder Marketing gibt, kann der Großteil der Einnahmen an die Produzenten weitergegeben werden. Herausgekommen ist ein Sneaker im Oldschool-Look, mit großem unverkennbaren V an der Seite, für dessen Silhouette ein brasilianischer Sneaker aus den 70er-Jahren Pate stand.

Edun setzt ebenfalls auf fairen Handel, wenn auch ganz anders. Marketing wird hier großgeschrieben, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass Bono und seine Frau Ali Hewson dahinterstecken. Für ein Foto-Shooting standen Stars wie Top-Model Helena Christensen, Q-Tip und Lindsay Lohan vor der Kamera. Edun lässt in Afrika, Indien und Südamerika von speziell ausgesuchten Fabriken produzieren, über die Verwendung von biologisch angebauten Stoffen ist hierbei allerdings nichts bekannt. Im Gegensatz zum casual Look zahlreicher Fair-Trade-Labels sind die Edun-Kollektionen gediegen, ohne dabei zu klassisch zu wirken. Trends aus der Vergangenheit wie 20er-Jahre-Art-Deco-Muster oder Adaptionen viktorianischer Eleganz werden mit Samt und Seide aus dem 19. Jahrhundert anhand zeitgemäßer Schnitte neu interpretiert.

Edun und Veja gehörten zu den 60 Labels aus 20 Ländern, die im Oktober bei der Ethical Fashion Show in Paris dabei waren. Die Show führte über den Anspruch einer reinen Modenschau hinaus und war gleichzeitig Messe mit Diskussionen zu fairem Handel. “Ethisch bedeutet für uns, dass auf der einen Seite der Mensch, aber auch die Umwelt respektiert wird”, erklärt Isabelle Quéhé, die Gründerin der Modenschau. Seit 2004 hat sich die Anzahl der teilnehmenden Designer/Labels verdreifacht. Von Streetwear über Accessoires bis hin zu Haute Couture reichte die Bandbreite. “Die diesjährige Messe hat gezeigt, dass fairer Handel und Glamour kein Widerspruch mehr sein müssen. Ethische Mode setzt mittlerweile Trends. Selbst große Kaufhäuser ordern immer mehr davon. Ähnlich dem Boom von Bio-Supermärkten öffnen immer mehr Boutiquen, die primär Kleidung aus fairem Handel verkaufen. Die Nachfrage steigt, weil die Konsumenten sich endlich zunehmend fragen, wo und wie ihre Kleidung hergestellt wird.”

www.ethicalfashionshow.com



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