Jahresrückblick Steil

Bread & Butter Berlin. Tschüss Hauptstadt

20.11.2006, 06:00, Text: Andreas Grüter

Die Gerüchteküche brodelte trotz vollmundiger Bekenntnisse zum Messestandort Berlin bereits seit einiger Zeit gewaltig, doch seit dem 24. Oktober ist es nunmehr amtlich: Die Bread & Butter Berlin, das bisherige Leistungsschau-Zentralorgan der europäischen Fashionbranche, findet nicht mehr statt. Man geht, wie man gekommen war: “To whom it may concern ...”, mit einem rigorosen Paukenschlag, gut verpackt in einer kurzen Rundmail.

“Die Bread & Butter Berlin ist trotz großer Investitionen in Richtung Besucher und Aussteller sowie gezielter Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen nicht auf ausreichende Resonanz gestoßen. Der bisherige Anmeldestand in Berlin lässt eine qualitativ hochwertige Veranstaltung nicht zu.” Erklärende Worte zu einem Abgang, dessen dickes Ende derzeit noch nicht absehbar ist, dessen Gründe, glaubt man einschlägigen Fachpublikationen, jedoch klar auf der Hand liegen. Von geschwisterlicher Kannibalisierung ist hier, mit Blick auf die im Juni 2005 erstmals etablierte und seitdem stetig wachsende Bread & Butter Barcelona, die Rede, von Misswirtschaft, fehlendem Verantwortungsbewusstsein, arroganter Egomanie und kühl kalkulierten Pokerspielen um staatliche Subventionen. Kommentare, die den stets ebenso unberechenbar wie idealistisch agierenden B&B-Mastermind Karl-Heinz Müller wohl träfen, würde er sich nicht bis auf Weiteres mit einem Trip durch den australischen Outback den Fragen von Presse und Ausstellern entziehen.


Sein Berliner Büro betet auf Anfragen gebetsmühlenartig das Credo “Barcelona für alle” herunter. Ein Verweis, der trotz der duften Partylocations und sonstigen vielversprechenden kulturellen und branchenspezifischen Sonderkonditionen, die die spanische Metropole bereithält, noch lange nicht die drängenden Fragen der angeschlagenen deutschen Bekleidungsindustrie beantwortet: Ob ein internationaler Standort wirklich eine nationale Leistungsschau ersetzen kann? Oder ob nun im textilen Spätherbst die Premium (gefolgt von der Frankfurter Streetwear-Messe Bright bis hin zu Ispo, München und CPD, Düsseldorf) bereit ist, ihr Potenzial klug einzusetzen, um das Erbe anzutreten und vor allem jede Menge neue Aussteller und Besucher zu binden? Die Furchen klaffen tief im Acker der Modelandschaft, es muss neu bestellt werden.



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