
Szene Südtirol.
Essen Trinken Ausgehen
18.09.2006, 06:00, Text:
Oliver Bresch
Neben dem besten Bergpanorama der Welt (nach R. Messner, der sollte es wissen) sind kulinarische Orte der Gastlichkeit ein besonderes Glanzlicht Südtirols. Auf den Speisekarten der Traditionshäuser finden sich köstliche Schlutzkrapfen und diverse Arten Knödel; mit Speck, Steinpilzen oder in Variation als Spinatknödel. Wenn Alpenland auf Mittelmeereinfluss trifft, heißt das z.B. auch mal: Spaghetti mit Tomaten und Südtiroler Speck. Der ist eigentlich ein Schinken und ein gewürztes, luftgetrocknetes und kurz geräuchertes Bauch – oder Keulenstück vom Schwein. Er reift sieben bis acht Monate und trägt deutlich die Südtiroler Nationalfarben weiß / rot. Zur Brotzeit werden traditionell von einer dicken Scheibe dünne Streifen quer runtergeschnitten - dazu Vinschgerl (mit Kümmeln, Fenchel, Anis gewürztes kleines Roggenbrot) oder Schüttelbrot (ein dünner Weizen/Roggenmisch-Fladen, der vor dem Backen auf einem Brett geschüttelt und erst ganz trocken verzerrt wird) gereicht. Den besten Speck bekommt man in kleinen Landmetzgereien - die tägliche Schlange vor der Dorfmetzgerei Gamper (Kirchplatz 2) in Parschins kann sich kaum irren. Auch die vorzügliche Haussalami nebst Kaminwurzen ist zu empfehlen. Eine Bio-Version aus eigener Herstellung liefert zum Beispiel der Hof Pöder (Erbhof 64, St. Pankraz/Ultental). Hier kommen die Schweine zur Herstellung aus der Gegend und werden nicht, wie beim Fabrikspeck, aus dem Ausland zugekauft. Als so genannte. „Marende“ mit Wurst und Käse kommt der Speck am Nachmittag sehr gut als Stärkung auf Almen ab 1500m Höhe. Eine gute Speisekarte enthält ferner die typischen Schlutzkrapfen und diverse Arten Knödel. Jede Gegend produziert übrigens einen eigenen Käse – den Stilfser, den Pustertaler, den Pragser etc. Viele Almen erzeugen ihren typischen Bergkas – alle um Nuancen unterschiedlich im Geschmack.
Kein Zufall, dass die bekanntesten Lagen für leckeren Wein (z.B. Kalterer See) gleich in der Nähe, bzw. sogar mitten in Bozen liegen. Galt die Region früher vor allem als Lieferant milder bis halbtrockener Schluckweine für genügsame Rentnergaumen, hat sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen: Man setzt jetzt auf Qualität. Es werden bis zu 65 Prozent rote Rebsorten wie Vernatsch, Blauburgunder oder Cabernet angebaut. Unsere Lieblingsrebe nennt sich übrigens Lagrein. Ebenso empfehlenswert: der einfache Rote vom Weingut „Kössler“, St. Pauls/Eppan, der Riserva vom Weingut „Schreckbichl“ aus Girlan sowie der Lagrein von Weingut Elena Walch (Andreas Hofer Str. 1, Tramin). Das Weingut „Manincor“ (St. Josef am See 4, Kaltern), vermag es Gaumen- wie auch Architekturfreunde gleichermaßen zu begeistern, denn das Anwesen wurde kunstvoll in den Weinberg gebaut. (Tipp: „Reserve del Conte “ oder der etwas reifere „Cassiano“). Kaltern liegt direkt an der Weinstrasse (Landesstr. 14, auch „Strada del Vino), die in Lana im Etschtal beginnt und über Eppan und Tramin bis Salurn an der südlichen Sprachgrenze führt. Besonders gesellig geht es zu, wenn der gute Tropfen vor Ort in Buschenschänken konsumiert wird. So heißen die tümelnden Stuben direkt beim Bauern, die im Mittelalter ein Schankrecht für Selbstproduziertes erhielten. Schön sitzt man beim „Schnalshuber Hof“ (Oberplars 2, Algund), ein 700 Jahre altes Gehöft, oder im „Formerkeller“ (Graf Johann Str. 15, Parschins) im Gewölbe.
Weitere bemerkenswerte Restaurants und Gaststätten sind der „Hanswirt“ (Rustikal und typisch, an der B38, Rabland/Parschins), das „Restaurant Schöneck“ (Mühlen bei Pfalzen, Kiens, gilt als eines der besten in Südtirol), das „Zur Rose“ in St. Michael bei Eppan und das Restaurant „Zum Löwen“ in Tisens. Hier kocht Anna Matscher, die einzige Frau unter Südtirols Küchenstars. Die Brauerei Forst aus dem gleichnamigen Ort Nähe Algund versorgt übrigens die Region mit ihrem Traditions-Bier. Gebraut wird insbesondere ein Helles (Forst Premium) und ein Spezial (Forst Kronen). Im Brauhausgarten am alten Gebäudeteil gibt’s dazu deftig Gegrilltes.
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