
Ideal
Independent Couture
21.08.2006, 06:00, Text:
Silke Bücker
Mitte Juli wurde die Hauptstadt mal wieder von den Modemessen heimgesucht. Zu den beiden etablierten Konstanten, Bread&Butter und Premium, gesellt sich seit Januar 2006 noch eine dritte Plattform mit Namen Ideal, die (trotz modischem Overkill in der Hauptstadt) dringende Berechtigung hat.
Beheimatet im geschichtsträchtigen Café Moskau, ist die Ideal im Vergleich zu den in den letzten Saisons stark expandierten Konkurrenzveranstaltungen nahezu winzig. Gerade mal 50 Ausstellerplätze beherbergt der auf zwei Etagen ausgedehnte Showroom, eine Begrenzung, die durchaus gewollt ist – wenngleich dies die Sache nicht unbedingt leichter macht: “Klar wollen wir mit der Ideal auch etwas verdienen”, erklärt Initiatorin Sumi Ha, “und es ist schwierig, das mit nur 50 Ausstellern zu schaffen. Aber es kann nicht sein, dass wir uns einreihen und irgendwann die dritte große Berlinmesse werden, das ist nicht unser Ziel.”
Kommerzieller Erfolg scheint also für die Ideal-Macherinnen nicht erstes Gebot zu sein. Vielmehr möchten Sumi und ihr Team mit der Veranstaltung ein heterogenes Designer-Portfolio präsentieren und fördern, das sich irgendwo zwischen Avantgarde, High Fashion und progressiver Streetwear verorten lässt. Mit Designern, die, gesättigt von der allgegenwärtigen Gleichförmigkeit, einen besonderen Anspruch an Mode entwickelt haben, mit viel Idealismus und Leidenschaft versuchen, neue kreative Wege zu beschreiten, und dabei auch mal die Bedürfnisse potenzieller Konsumenten vergessen. Dazu gehörten bei der Ideal im Juli bekanntere Labels wie Henrik Vibskov, Eksempel, Anita Moser, Wood Wood, C.Neeon oder Wendy & Jim ebenso wie noch ganz junge Marken, beispielsweise Reality Studio, Lotta Skeletrix, L&A Mäthger oder The Forgotten Youth.
Popularitätsunterschiede schlagen sich erfreulicherweise nicht in Statuten wie Standgröße oder Platzierung nieder: “Bei uns werden alle Designer gleich behandelt”, betont Sumi, “es gibt keine besseren oder schlechteren Stände. Ich finde es nicht gut, dass die Labels bei der Bread&Butter ihre Stände selbst bauen können. Klar kann Miss Sixty so mit einem Megastand protzen, und die Kleineren fühlen sich daneben wie Zwerge.”
Auch die Atmosphäre ist vor allem für Einkäufer weitaus angenehmer als bei der Konkurrenz. Die Überschaubarkeit lässt ein Gefühl von Reizüberflutung gar nicht erst aufkommen, die musikalische Beschallung verweilt diskret im Hintergrund, ebenso das Sponsoring – einziger Werbepartner bislang ist PSP/Sony, viel mehr sollen es auch nicht werden. “Es geht um die Mode”, konstatiert die Organisatorin schlicht, “da lenken zu viel Firlefanz oder laute Musik nur ab.”
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