Designwear für die Schwimmarena
17.07.2006, 08:00, Text:
Andreas Grüter,
Andreas Grüter
Speedo? Sind das nicht diese klassischen Schwimmbuxenhersteller? Was zum Teufel haben die denn hier verloren? Ist das etwa jetzt auch Fashion oder was? Ja, Miederwaren und Bademoden haben mehr gemein, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Wie anders ließe es sich sonst erklären, dass Speedo, mittlerweile der weltweit führende Hersteller von Schwimmbekleidung, seine Wurzeln in einer kleinen Unterwäschefabrik namens MacRae Knitting Mills in den industriellen Suburbs von Sydney hat. Während sich Gründer Alexander MacRae in den ersten 14 Jahren seines Unternehmertums noch vor allem auf die Produktion von BHs konzentrierte, legte erst die mit atemberaubenden Designentwürfen und hochtechnologischen Features ausgestattete Hochleistungs-Swimgear, die 1928 im Rahmen der kompletten Neuausrichtung und Umbenennung der Firma in Speedo vorgestellt wurde, den Grundstock für den rasanten internationalen Erfolg.
Angetreten, um dem lahmen Gaul Wettkampfschwimmen ordentlich die Sporen zu geben, verfranste sich das Label in den späten sechziger Jahren dann zunehmend zwischen dem eisernen Konzept von rein auf Hochleistungssportler zugeschnittenen Hi-End-Performancestyles und dem Anspruch, den Bereich der klassischen Badebekleidung ordentlich von hinten aufzurollen. Zwar fungierte man in den internationalen Schwimmstadien nach wie vor als unangefochtene Nummer eins im Ausstatterbusiness, verbreiterte sein Programm aber zusehends auch um leicht konsumierbare Massenware, die auch vor dem Launch von Business- und Freizeithemden nicht Halt machte und
Speedo schließlich in die zwiespältige Position einer zwar durchaus respektierten, aber auch als weitestgehend altbacken angesehenen Traditionalistenmarke brachte. Während das Label im Performancebereich mit massiv vorangeschobenen Produktinnovationen auch weiterhin jede Menge olympische Medaillenerfolge feiern konnte und auch mit robusten Badehosen und Schwimmanzügen den badenden Mainstream fest im Griff hatte, zog es die lifestyleverwöhnte Fashioncrowd vor, ihre Strandbesuche und Poolparties in Boardshorts und Bikinis der angesagten Surf- und Fashionbrands zu zelebrieren. Eine Entwicklung, der in den folgenden Jahren zwar immer wieder innovationsreiche Pool- und Beachwear entgegengesetzt wurde, die man jedoch erst mit dem Einstieg in das Beachvolleyball- und Wakeboardbusiness so richtig in den Griff bekam. Spätestens mit dem Launch der beiden exklusiven Designkollektionen, die in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Trendmanufaktur Rosa Chá bzw. den einflussreichen japanischen Fashionconnaisseuren von Comme des Garcons entstanden und jetzt aktuell in ausgesuchten Stores erhältlich sind, dürfte die modische Emanzipation endgültig geklappt haben. Während „
Speedo by Comme des Garcons“ dabei mit dezenten Shorts, Badeanzügen, Bikinis, Badekappen und Schwimmbrillen in Schwarz und Weiß vor allem auf eine Fusion von hochwertigen Stoffqualitäten, durchdachter Linienführung und einer stilistisch radikaler „66 meets 06“ Entwurfsplanung setzt, spiegelt die insgesamt 20-teilige „
Speedo by Rosa Chá“-Linie alle Facetten der klassischen brasilianische Strandkultur wider. Verspielte Detailarbeiten und handgenähte Applikationen treffen hier auf asymmetrisch angesetzte Schnittgestaltung und bunte Grafikprints, extrovertierte Glitter- und Glamourlooks auf feingliedrige Perlenornamente und romantische Schleifchenarbeiten. Neben Bikinis und Badeanzügen präsentiert Rosa-Chá-Mastermind Amir Slama dabei erstmals auch vier Badehosenmodelle für Jungs, die vor allem durch ihre Sommerfarben in Kombination mit stimmigen Schnittformen überzeugen.
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