Martin Kippenberger

Wie Helmut Berger in guten Jahren

02.03.2006, 15:25, Text: Alexander Jürgs, Alexander Jürgs

Ob sie was dagegen habe, wenn er sie verehren würde, hat Martin Kippenberger die Journalistin und Filmemacherin Gisela Stelly gefragt, die er 1975 auf einer Restauranteröffnung in Hamburg kennen lernte. Auf welche Weise denn, wollte Stelly wissen, die damals mit Spiegel-Chef Rudolf Augstein verheiratet war. \"Er würde mich besuchen und Geschenke mitbringen, erklärte er ganz im Stil romantischer Ritterverehrung\", erinnert sie sich heute.
Aus dem Fundus von Gisela Stelly speist sich die bezaubernde Ausstellung \"Ihr Kippy Kippenberger\", die zurzeit in der Galerie von Bärbel Grässlin in Frankfurt zu sehen ist. Aus Kippenbergers Annäherungsversuch gegenüber Stelly ist eine tiefe Freundschaft entstanden.

Deren Überbleibsel geben nun einen bemerkenswerten Einblick in die frühe Schaffensphase des Künstlers (1953 in Dortmund geboren, 1997 in Wien gestorben). Gezeigt werden Grafiken, Fotos, Postkarten und Briefe, die Kippenberger, der 1976 für zehn Monate nach Florenz übersiedelte, von dort aus an Gisela Stelly schickte und mit einem höflichen \"Ihr Kippy Kippenberger\" zeichnete. Zu sehen sind auch vier von 84 damals entstandenen Abenteuerbildern aus der Serie \"Un Tedesco In Firenze\" im schwarz-weißen Stil Gerhard Richters.
\"Ich bin nach Florenz, Italien, das Filmland gefahren, sah aus wie Helmut Berger in guten Jahren, aber keiner hat mich entdeckt\", schreibt Kippenberger an Stelly. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird sie ihn für ihren Spielfilm \"Liebe Und Abenteuer\" engagieren. Kippenberger sollte die Rolle eines Wachmanns mit Schäferhund übernehmen. Er war so vernarrt in das Gelingen des Projekts, dass er, als die Schauspielerin für die Hauptrolle ausfiel, sich selbst auf die Suche nach Ersatz machte und in Berlin auf einem Flohmarkt Birgit Hoffmeister entdeckte, die später auch den Zuschlag bekam. \"Sie ist wirklich toll\", meldet Kippenberger.
Man kann gar nicht mehr mitzählen, wie oft Martin Kippenberger seit seinem Tod wieder entdeckt wurde. Eine große Retrospektive feiert den Künstler gerade in London (bis 14. Mai in der Tate Modern). Die im Vergleich dazu sehr bescheidene, aber herrlich persönliche Ausstellung in Frankfurt zeigt, auf welch hohem Sprachniveau sich Kippenberger schon zu Beginn seiner Karriere bewegte. Die Direktheit, der Sprachwitz, das Kokettieren mit dem Kalauer - alles das, was ihn später zur Legende machen wird - findet man schon in den frühen Briefen des Künstlers.

\"Ihr Kippy Kippenberger - Briefe-Bilder-Fotos-Film von und mit Martin Kippenberger\", bis 3. März, Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main, Katalog mit DVD 90 Euro



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aus Intro #136 (März 2006)
 
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