
Mistral
40 Jahre Windsurfen
17.06.2005, 11:18, Text:
Oliver Bresch,
Oliver Bresch
Torbole am Gardasee. Ein Wochenende im Mai. Es trifft sich die Weltelite der Windsurfer auf einen Espresso Macchiato und ein Champions-Race. Am Strand steigt derweil die Leistungsshow der aktuellen Equipment-Lieferanten, zum Testen, Schauen, Staunen. Abends zur Happy-Hour kommen auch Stars der Szene wie Björn Dunkerbeck und die Moreno-Twins auf ein Autogramm oder Wort an die Bar.
Pünktlich jeden Mittag kommt am Gardasee der Ora auf, der ja auch deshalb so heißt - ora bedeutet auf Italienisch Stunde. Er bläst in Torbole direkt auf den Strand mit konstanter Stärke, sodass die Pros und Nons vor atemberaubendem Ambiente direkt ins Wasser stürzender Berge schöne Gischtspuren in den See malen. Ich bin ja selbst gesurft.
Überlebt haben aus jener Zeit noch einige Namen: Robbie Naish als Ikone, Björn Dunkerbeck als Alltime-Champion, F2, Fanatic, North Sails, Neil Pryde - und Mistral. In Torbole bilanziert die Firma \"40 Jahre Windsurfen\" in einer Ausstellung, die anschließend durch die Reviere dieser Welt wandern wird. Als eigentlicher Erfinder des Genres gilt Newman Darby, der cirka 1965 als erster Windsurfer auf dem Board stand, noch vor seinem Segel. Perfektioniert hat es Jim Drake, der so Sachen wie den Gabelbaum (die Stange zum Segelfesthalten) erfand und zusammen mit Hoyle Schweizer den Sport in den USA groß machte. Durch ein ausgeklügeltes System von weltweiten Copyrights setzten sie ihre Version vom Standardbrett durch und partizipierten entscheidend. Die Entwicklung im Surfen war rasant, im Breiten- wie Profisport: Automarken verkauften Promotionboards, die Kiesgruben waren bestens ausgelastet, in rasanter Folge kamen neue Tricks auf (der Sprung, der Wasserstart, die Halse, die Duckjibe bis hin zum Looping mit Handstandüberschlag am Rigg). Zu einem der wichtigsten Characters sollte Robbie Naish werden, der 1976 13-jährig Weltmeister wurde und bis weit in die 80er das Windsurfen prägte.
Mistral war damals der Rolls-Royce im Surf-Zirkus. Nach einer wechselhaften Geschichte hart am Wind fährt die Marke heute weiter vorne in der Welle mit. Die aktuelle Kollektion der Marke mit dem \"EM DOT\" setzt auf Originals und weist trotzdem den Weg in die Zukunft. Zum Beispiel mit der papierartigen Jacke aus Polyurethan, dem Material, aus dem früher Bretter geschnitzt wurden - das passt gut in den Sommer, steht für tolle Strände und einen Easy-goin-Lifestyle. Dazu eine weiße Tennishose, linkstragend natürlich, eine große Sonnenbrille, hellblaue Segelschuhe - und ab an den Beach. Abseits dieser Modeweisheiten hat sich im Windsurfen nichts an jener Weisheit geändert, die mir circa 1986 am Ijsselmeer ein Unbekannter mit auf den Weg gegeben hat: \"Du kannst alles probieren, verschiedene Bretter und Shapes, verschiedene Segel, Finnen, aber richtigen Speed, ne, den krisse nur durch Geschwindigkeit.\"
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