
Petar Petrov
Kleider ohne Grenzen
17.06.2005, 11:08, Text:
Silke Bücker,
Silke Bücker
Petar Petrov gehört zu einer neuen Generation österreichischer Modedesigner. Seine Entwürfe thematisieren die Konfrontation zwischen Ost und West, wobei er sich nicht an der Darstellung kultureller Unterschiede festbeißt, sondern munter Einflüsse, Elemente und Stile mischt. Seine Herbst/Winter-Kollektion wirkt trotz strenger, klarer Linien extrem jung und frisch, mal edel, dezent und angezogen, an anderen Stellen aber auch extrovertiert, bunt und unkonventionell. Petrovs Jacken zieren plastische Drucke, Steine oder schräge grafische Muster, seine Hosen sind rot oder gelb und gerne aus Gummi. \"In meiner Mode spiegeln sich die verschiedensten Eindrücke und Erlebnisse wider.
Wie der Name schon erahnen lässt, ist Petar Petrov kein gebürtiger Österreicher, sondern stammt aus Bulgarien. Ein Modestudium an der Universität der angewandten Künste trieb ihn 1999 nach Wien, dort war der Autodidakt und für radikale Ansätze bekannte belgische Designer Raf Simons sein Lehrer. Ein Umstand, den der junge Bulgare völlig unbeeindruckt kommentiert: Simons habe es nicht leicht gehabt mit ihm, es sei sehr schwer gewesen, ihn zu prägen. Geschadet hat ihm sein eigener Kopf offenbar nicht, bereits 2003 gewann Petrov den Unit-F-Preis, vergeben vom gleichnamigen Wiener Büro für Mode.
Unit-F kümmert sich, ähnlich wie das Flanders Fashion Institute in Antwerpen, um die inhaltliche und finanzielle Förderung junger Nachwuchsdesigner und verhilft Labels wie Petrov, Wendy & Jim oder Hartmann Nordenholz zu den entscheidenden Einstiegsmomenten im Modebusiness, einem Zugticket nach Paris beispielsweise. Dorthin durfte Petrov 2003 zum ersten Mal reisen und seine Männermode einem kritischen Fachpublikum vorstellen. Dass mit dem Schritt ins big business auch ein großer Druck einhergeht, nimmt er extrem gelassen. \"Druck gibt es doch überall. Ich denke positiv und freue mich, dass das, was ich mache, zumindest abwechslungsreich ist.\"
Seine Arbeit bezeichnet Petrov als \"minimal veränderte Realität aus der subjektiven Perspektive eines Außenseiters\". Er integriert, was ihn tagtäglich prägt: sein Leben und Erleben zwischen unterschiedlichen Welten und Kulturen. Dieser multinationale Aspekt manifestiert sich aber nicht nur in seiner Mode, beispielsweise sind auch seine Models unterschiedlicher Herkunft, einige dunkelhäutig, andere aus Osteuropa. Und durchweg normale, sympathische Jungs, wie man sie in jeder größeren Stadt dieser Erde auf den Straßen trifft. Für Petrov ein probates Gegenmittel gegen die Kurzsichtigkeit vieler Menschen und Reflexion einer multikulturellen Wirklichkeit, die immer neue Fragen aufwirft, permanente Anpassung erfordert und für ihn und viele andere längst Alltag ist. Bei der letzten Schau brachte Petrov seine Weltanschauung musikalisch mit einem DAF-Stück im Mix mit Ragga-Beats auf den Punkt.
Obwohl der 27-Jährige Wien zu seiner Wahlheimat erklärt, weil es der Ort ist, der ihn inspiriert, ist auch Bulgarien nicht nur aus persönlichen Gründen wichtig für ihn. Ein großer Teil seiner Kollektion wird nach wie vor im Textilbetrieb seiner Mutter in Sofia produziert. Sicher nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, wobei Petrov sich zumindest in naher Zukunft um Geld kaum Gedanken machen wird. Wurde doch erst Anfang des Jahres in Wien ein Fond eingerichtet, um junge Künstler unterschiedlicher Disziplinen zu unterstützen. Petrov formulierte in seinem Antrag auf Förderung das Ziel, sein Label zu einer international konkurrenzfähigen Marke ausbauen zu wollen - und wurde mit 100.000 Euro bedacht. Die Sommerkollektion 2006 dürfte also bereits in der Mache sein. Schließlich wartet Paris schon. (www.petarpetrov.com)
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