
Dänenmarken
Tiere, Obst und Comicfratzen
23.05.2005, 15:39, Text:
Jan Kedves,
Jan Kedves
Angst vor starken Farben sollte man nicht haben, wenn man sich bei den neuen Dänenmarken einkleidet: Henrik Vibskov, Peter Jensen, Helle Mardahl, WoodWood und Can heißen die Labels, die frischen Wind zwischen bewährten Kapuzen-Chic und Laufsteg-Extravaganz bringen.
Seine aktuelle Frühjahr/Sommer-Kollektion zeigte der dänische Modedesigner Peter Jensen nicht auf einem Laufsteg, nein, er lud sein Publikum lieber in eine Londoner Eislaufhalle. Vorgeführt wurden die Entwürfe dort von Eiskunstläufern und -läuferinnen, die Jensen in ganz Großbritannien hatte casten lassen. Sommermode auf Eis zu präsentieren, das wirkt nicht nur hübsch antizyklisch, es spricht vor allem für einen gesunden Humor.
Während Peter Jensen wohl der bekannteste von ihnen ist – nicht zuletzt, weil er nach seinem Studium am St. Martin’s College als Einziger in London blieb und nun dort arbeitet –, sitzen in seiner Heimat, vor allem in Kopenhagen, viele weitere junge Designer: Henrik Vibskov, Helle Mardahl, WoodWood und Can arbeiten an einer Weiterentwicklung von Skate- und Streetwear, beeinflusst von Grafikdesign und Graffiti ebenso wie von Musik und Comic-Art. Ein Faible für All-over-Prints fällt bei fast allen von ihnen ins Auge: Auf Henrik Vibskovs Kapuzensweatern dürfen sich kleine Äffchen oder stilisierte Schlangen tummeln, bei Peter Jensen sind es mal Schildkröten, mal verschiedenste Obstsorten, WoodWood schicken auf ihre Jerseypullis gleich ganze Horden abstrakter Comic-Charaktere. Eine flächendeckende Farb- und Motivfreude, die ihren Ausgleich in einer erfrischenden Zurückhaltung findet, was den Einsatz der eigenen Firmenlogos angeht.
Für die meisten der jungen dänischen Designer ist Mode nur eines von mehreren Betätigungsfeldern: Helle Mardahl, die wie Peter Jensen ihren Abschluss in Modedesign am Londoner St. Martin’s College machte, bewegt sich sonst zwischen Grafikdesign und Malerei, Henrik Vibskov – ebenfalls an St. Martin’s ausgebildet – dreht nebenher Filme und produziert Musik. Dass Mardahl und Vibskov aus London in ihre Heimat zurückkehrten, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sie von der königlichen Kunststiftung Dänemarks großzügige Stipendien angeboten bekamen. So fällt das Lancieren eines eigenen Labels leichter. WoodWood und Can sind derweil einen anderen Weg gegangen: Sie haben jeweils erst einen Laden eröffnet und diesem später eine eigene Modelinie folgen lassen. Can ist Plattenladen, Galerie, Design- und Fashion-Store in einem, das Label bietet mit Comicfratzen bestickte Capes und Kapuzensweater. Ähnlich WoodWood: In dem Kellerladen reihen sich die neuesten Limited-Edition-Sneaker neben aktuellen Jersey-Kleidern von Helle Mardahl und gestreiften Ballon-Shorts von Henrik Vibskov. Eine Ecke weiter die Stofftaschen und T-Shirts des 2004 gegründeten eigenen WoodWood-Labels, die aktuelle Ausgabe des Homo-Fanzines Butt und der jüngste Comme-des-Garçons-Duft.
Ein derart versatiles Gewusel also, dass es einen kaum wundern würde, wenn WoodWood oder Can ihre Kundschaft durch eine Hintertür direkt nach Berlin-Mitte ausspucken würden. Karl-Oskar Olsen von WoodWood beschreibt die Situation in Kopenhagen dann auch als durchaus vergleichbar mit der in Berlin: Wer in Dänemark wenig Geld hat, hat vergleichsweise immer noch viel Geld – was jungen Kreativen ermöglicht, sich in der Kopenhagener Kunst- und Modeszene ein angenehmes Leben zu machen. Wer von ihnen es auch überregional zu Bekanntheit bringen wird, bleibt zwar noch abzuwarten, mit WoodWood, Henrik Vibskov, Helle Mardahl und Can sind jedoch einige von ihnen bereits auf dem besten Wege dorthin. Und zumindest Vibskov, der ab Herbst wieder häufiger nach London fliegen wird, um dort am St. Martin’s College ein Engagement als Lehrkraft anzutreten, hat volles Vertrauen, dass bald noch weitere folgen werden. “Kopenhagen ist eine gute Stadt”, meint er. Schön, dass man das auch sehen kann.
www.henrikvibskov.com
www.woodwood.dk
www.hellemardahl.com
www.yeswecancan.com
Peter Jensen hat leider keine Website.
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