
Veronique Branquinho.
Old School
27.04.2005, 12:31, Text:
Silke Bücker,
Silke Bücker
Die Antwerpener Modedesignerin Veronique Branquinho ist ein nostalgisches Mädchen. Obwohl zwei bedeutsame Indikatoren des neuen Jahrtausends ihren Schreibtisch bevölkern, iMac nebst iPod, liegen ihre Vorlieben doch in der Zeit vor der digitalen Revolution. Das spiegelt sich auch in ihren Kollektionen wider, die weder hip noch überladen wirken, eher zeitlos, raffiniert und intelligent.
Während die aktuelle Sommerkollektion sich noch durch gekonnte Farbkombinationen und ausgeklügelte Schnitte und Details definiert, markiert die Winterkollektion 05/06 einen Bruch, eine Rückbesinnung auf die Essenz: \"Es war sehr schwierig, diese Kollektion zu machen, weil ich nach einer neuen Richtung gesucht habe, in die ich gehen kann.
Neben ihrem Faible für Mode und Männer hat Veronique Branquinho auch eine Schwäche für Musik. In ihren Schauen spielt der Sound stets eine bedeutende Rolle und trägt nicht selten autobiografische Züge. Mal überzeugte sie Tom Barman von dEUS, den Durchmarsch der Models mit einer live gespielten Akustik-Version von Peter Sarstedts \"Where Do You Go To (My Lovely)\" zu begleiten (\"Ich liebe die Lyrics\"), dann schockte sie das fröhlich gestimmte Publikum mit den Sisters Of Mercy, und zuletzt war es ihre All-Time-Fave-Sängerin Kate Bush, die die Melodien für den Catwalk lieferte. \"Ich habe eben nach einer neuen Essenz gesucht, deshalb war es logisch, Kate Bush zu wählen. Sie war immer da in meinem Leben, es war wie ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten.\"
Branquinhos Bewusstsein für Traditionen und ihr Bedürfnis nach innerem Rückzug machen es ihr manchmal schwer, Schritt zu halten mit den Anforderungen der Modebranche: \"Kaum ist eine Kollektion fertig, musst du dir schon die nächste einfallen lassen. Und manchmal bin ich irgendwie noch nicht so weit. Darum bin ich eifersüchtig auf Maler oder Musiker, die können mit ihrem Kram rauskommen, wenn er fertig ist. Aber letztlich ist meine Arbeit ein pausenloser Prozess, eine Kollektion mündet in die nächste und repräsentiert meinen derzeitigen Status quo. Wenn der unfertig wirkt, dann ist das eben so.\" Trotzdem, der Druck bleibt, ebenso wie die Verantwortung für das Unternehmen Veronique Branquinho. Deshalb könne sie sich theoretisch auch vorstellen, für ein fremdes Label zu designen. Es müsste jedoch ein Haus mit Tradition sein, ein Name, mit dem sie sich voll und ganz identifizieren kann. \"Coco Chanel zum Beispiel\", gibt sie nach langem Zögern charmant verlegen lächelnd zu. Ein nostalgisches Mädchen eben.
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