
Wedding Dress #1
Die etwas andere Gendrification
25.02.2005, 18:11, Text:
Elisabeth Kirchner,
Elisabeth Kirchner
Designerklamotten im Wedding, das klingt wie Pommes mit Schlagsahne. Irgendwie unpassend. Doch genau dies, die Fusion von Berliner Proll-Kiez mit dem kreativen Output junger Modemacher, hat sich die Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO in Kooperation mit der Berliner Volksbank zur Aufgabe gemacht. Der von ihnen ausgeschriebene Design-Wettbewerb Wedding Dress #1 ist ein Versuch, scheinbar nicht Passendes passend zu machen und dem Wedding ein bunteres Kleid zu schneidern.
Zwei Wochen lang präsentierten 28 Designer ihre Stücke in von der DEGEWO gestellten Ladenateliers rund um die Brunnenstraße und wurden dabei von Mitgliedern der Jury, Modeinteressierten und - wenn auch eher zaghaften - Weddingern besucht. Im Showroom des Labels schick&schööön traf sich beispielsweise ein bunt gemischtes Klientel.
Was anfänglich auf viel Skepsis traf, funktionierte: Die Desillusion der ersten Woche wich der Erkenntnis, dass aller Anfang nicht leicht ist. Wer es aber im Wedding schafft, braucht sich vor Herausforderungen nicht zu fürchten. Wie schwer ist es schon im Nachbarbezirk Mitte oder Prenzelberg, bestickte Spitzenstulpen an die Frau zu bringen? In einem Laden, umgeben von Discounter Friseur und Döner 2000, bedeutet der Verkauf eines solchen Accessoires ungleich mehr. Doch können die rosaroten, Asia-inspirierten Girly-Träume von DianaQuack nicht anders als gefallen. Genauso wie die sportlichen Luxus-Pullis, Tops und Hosen von Zapiene.
Die Mitglieder der Jury, darunter der Direktor der Berliner Modeschule ESMOD, Zitty-Autorin Bettina Homann und Jan Joswig, Moderedakteur der Zeitschrift de:bug, vergaben kurzerhand neben dem ersten Platz noch einen zweiten, der ursprünglich gar nicht auf dem Programm stand. Die beiden Frauen hinter schick&schööön konnten sich über diesen zusätzlichen Preis der Wedding Dress freuen. Mit drei anderen Preisträgerinnen werden sie demnächst ihren Laden eröffnen, von der DEGEWO gestellt und für die ersten sechs Monate mietfrei. Mit dabei ist natürlich auch die Gewinnerin Bernadette Penkov. Sie vereint mit ihrer Kollektion ebenfalls Gegensätzliches: Modernes wird klassisch interpretiert, Maskulines feminin und Strenges elegant gelöst. Diese die Wedding-Dress'sche Idee aufgreifende Linie konnte die Jury schließlich überzeugen.
Mit den Kollektionen von Marie Brunk und Anna Genkova kann man auf einen Mode-Mikrokosmos hoffen, der eine Reise in den Wedding lohnend macht: Marie Brunk fertigt Röcke aus handgefärbtem Seidentüll, fragile Korsagen, zart, transparent, pastellfarben, Kleider wie für Elfenwesen bestimmt. Anna Genkova dagegen entwirft Schwarzes und Weißes, multifunktionell, metrosexuell. Geradlinig und schnörkellos, dabei un-langweilig und tragbar. Ungewöhnlich bei den gezeigten Kollektionen der Wedding Dress war die Bandbreite der Ideen, die Schnittstelle zwischen Umfeld und Produkt. Das Projekt Zwischen_werk machte sich diese Spannung zu Eigen und verband Mode und Raum in Dimension und Material, in Café und Boutique. Die beiden Innenarchitekten Sabine und Christian Gallei spannten ein riesiges Netz, das mit Hilfe der Besucher und mit vor Ort angefertigtem Filz in Pink und Apfelgrün zum Kokon bewebt wurde. Filz ist zugleich Ausgangspunkt der dort ausgestellten Kollektion von Jana Stephainski. Ganz in Weiß- und Pastelltönen, sind ihre Stücke gleichzeitig Kontrast und Ergänzung. So wurde das Mitmach-Mode-Café mit Musik und Kaffee eine pink-grüne Insel im grauen Wedding und damit willkommener Treffpunkt weitab von den bekannten Modemeilen.
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