
Beck's Fashion Experience
Proben für den Ernstfall
25.02.2005, 18:06, Text:
Silke Bücker,
Silke Bücker
Die Beck's Fashion Experience ging am 21. Januar im Berliner Postbahnhof im Ostbahnhof in die dritte Runde. Diesmal schafften es sieben deutsche Designer in die Endrunde, allesamt Absolventen renommierter in- und ausländischer Modeschulen, die zuvor unter 25 Finalisten von einer Fach-Jury ausgewählt wurden. Diese wiederum rekrutierte sich aus Karo Brandi (Mode-Illustratorin aus New York), Walter van Beirendonck (Designer aus Antwerpen), Cathy Boom (Chefredakteurin des Magazins Style & The Family Tunes) und Elke Krämer (Chefeinkäuferin des Departement Store im Quartier 206 in Berlin). Sowohl Letztere als auch Walter van Beirendonck glänzten beim großen Finale durch Abwesenheit.
Und doch sorgte die Beck's Fashion Experience für Aufsehen: 900 Gäste kamen zur Schau, zahlreiche Fotografen sorgten für professionellen Anschein, Gudrun Gut stand hinter den Plattentellern, und die Videoscreens im Hintergrund lieferten eine Vorschau auf die Gewinner-Kollektionen. Just in dem Moment, als das geduldige Ausharren der Zuschauer in Unruhe umzuschlagen drohte, war es dann endlich so weit: Der Laufsteg wurde von seiner schützenden Plastikauflage befreit, die Spots blitzten auf - Showtime! Den Anfang machte das Berliner Label Miroike, es folgte Gesa Lüthje (Berlin), dann Karolin Maier-Hauff (London), SRBR/ Stephan Schreiber (Amsterdam), Heike Winhold (Hamburg), Kristin Hensel (Halle) und am Ende wieder Berlin mit Boessert/Schorn.
In zügigem Tempo zogen die Models ihre Bahnen auf dem Catwalk, kaum Zeit für den Betrachter, die dargebotenen Eindrücke länger als ein paar Sekunden festzuhalten. Alles flüchtig. Im Gedächtnis hängen geblieben sind ein paar wenige Bilder: aus Hotels stibitzte Frotteeschlappen an den Füßen, ein schwarzer Mundschutz als apokalyptisches Accessoire, viel avantgardistisches Design, ein bisschen Ironie und wenig Gefälligkeiten. Erfrischend heraus stach vor allem die Kollektion von SRBR/ Stephan Schreiber, Sexiness in himmlischem Blau und strahlendem Grün, versehen mit knallorangen Akzenten - ein willkommener Kontrast zu den ansonsten oft ernst und zum Teil sehr düster wirkenden Entwürfen.
Im Anschluss an die Schau versammelten sich Designer, Jurymitglieder und Presse zum Stelldichein in der Presselounge. Doch der erhoffte Ansturm blieb aus, was mit der vorgerückten Stunde, dem schummrigen Rotlicht und der Gewissheit um eine beginnende Aftershow-Party leicht zu begründen war. Und doch habe ihn das mangelnde Interesse der Presse direkt nach der Schau ein wenig enttäuscht, gesteht Stephan Schreiber zwei Tage später auf der Premium. Dort hatte Beck's den Gewinnern einen gemeinsamen Stand gesponsert. Stephan fühlt sich gut aufgehoben als einer der Auserwählten der Fashion Experience, denn das Mädchen, das er mit seinen Entwürfen kleiden möchte, trinke schließlich am liebsten Bier. Auch die Resonanz habe letztlich gestimmt, selbst wenn Journalisten und Interessierte größtenteils erst auf der Messe auf ihn zugekommen seien. Von einer längerfristigen Förderung durch Beck's indes hält Stephan nichts, als Sprungbrett jedoch findet er den Event toll. Im Endeffekt müssten ohnehin die Designer selbst mit ihrem Produkt überzeugen. Auch Jury-Mitglied Karo Brandi hält Veranstaltungen dieser Art für ein gutes Experimentierfeld, bei dem junge Talente aus Fehlern lernen können, ohne gleich selbst für den Produktionsaufwand einer professionellen Modenschau aufkommen zu müssen. Ein bisschen den Ernstfall proben, ohne sich gleich die Finger zu verbrennen. Für den ist in Brandis Augen noch keiner der sieben Designer bereits vollauf gewappnet, hier und da haperte es noch im Detail, an der Erfolg versprechenden Mischung aus Tragbarkeit und spektakulären Extras oder einfach an den Schuhen. Ein gutes Stück Weg gilt es für fast alle Gewinner also noch zurückzulegen bis Paris, Mailand, London oder New York, aber genau für diesen Status des Noch-nicht-angekommen-Seins dient in Sachen Mode derzeit wohl keine andere Stadt so sehr als Spielwiese wie Berlin.
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