Bread & Butter

Quo vadis Modestandort Berlin?

25.02.2005, 12:44, Text: Andreas Grüter, Andreas Grüter

Als die Bread & Butter vor gut vier Jahren vom Dreiergespann Karl-Heinz Müller, Kristyan Geyr und Wolfgang Ahlers als Indiefashion-Alternative (man selbst nennt das bis heute \"Selected Brands\") zur damals ebenso übermächtigen wie schon lange maroden Kölner Modeinstitution Interjeans an den Start gebracht wurde, konnte man trotz gerade einmal 65 handverlesenen Ausstellern bereits erahnen, dass da was ganz Großes um die Ecke kommt. Dass die Kölnmesse allerdings innerhalb nur weniger Monate quasi im Handstreich besiegt, die Macht an sich gerissen und alsdann im Zuge von Berlin-Mitte-Style zum Winter 2003 die 7.500 qm Eckiger Rundbau gegen 20.000 qm Siemens-Kabelwerke eingetauscht werden würde, hätte dennoch wohl kaum jemand erwartet.

Nach mittlerweile fünf erfolgreichen Hauptstadt-Tradeshows, die mit ihrer Mischung aus Business, Entertainment und klug forcierter Kontextarbeit die Grenzen zwischen Mode, Musik, Grafik und Kunst weitestgehend verwischt haben und die zudem als initialzündende Hypebomben für den lange nicht existenten Berliner Fashionmarkt gelten (immerhin tummeln sich mittlerweile mit u. a. Premium, B in Berlin und Spirit of Fashion sechs weitere Messeformate im engen Terminplan der Fachbesucher), befand das Trio, dass es jetzt wieder höchste Zeit für eine Veränderung sei.

Destination Europäisierung heißt das Stichwort, dessen Inhalt das höchst aufwändige Konzept einer saisonalen Wandershow zwischen den trendangebenden Metropolen der alten Welt ist und dessen Startschuss zwischen dem achten und zehnten Juli in Barcelona fallen wird. Begründet wird dieser Schritt vor allem mit der Notwendigkeit, dem steten Wandel der Mode ein adäquates Forum bieten zu können, wobei in der Branche jedoch auch der seit längerem schwelende Zwist zwischen Messeleitung und Stadt um kostspielig zu renovierende Bausubstanz, teilweise fehlende Sanitäranlagen, den Ausbau verkehrstechnischer Infrastrukturen und teuer angemietete Hallen als weitere mögliche Gründe ins Feld geführt werden. Schließlich konnte man auch im vergangenen Januar wieder mit zusätzlichen formulierten Segmenten auf allen Ebenen neue Rekorde (insgesamt 650 Aussteller auf rund 40.000 qm und 42.000 zufriedene Besucher) einfahren - und auch in der Modewelt gilt gemeinhin: never change a winning team. Gute Gründe für ein Abnicken des neuen Planspiels gibt es natürlich dennoch jede Menge, schließlich liegen die großen Chancen immer im Wandel und dabei auch in dem damit zu gewinnenden umfassenden internationalen Know-how in Sachen Who?What?When?Where?. Allein, die bundesdeutsche Einzelhandels- und Textilszene befindet sich derzeit einigermaßen ermattet am Boden und erwartet statt Jetset-Trendscouting vor allem möglichst konstante Messestrukturen als Aufpäppelung - und die waren für viele, glaubt man Umfragen einiger Fachmagazine, bereits im aktuellen Berlin-by-Taxi-Tradeshow-Dickicht nur noch schwer auszumachen. Erste Entwarnung gibt es von der Bread&Butter-Front. Man werde, so heißt es, zwar das internationale Messeformat mit hohen Präferenzen weiter nach vorn pushen, jedoch nicht auf eine Bread & Butter Berlin als wichtigste bundesdeutsche Plattform für den Modehandel verzichten wollen. Wie die aber nun aussehen soll, ob auch weiterhin mit umfangreichem Rahmenprogramm gearbeitet oder Profil und Aufwand weitestgehend auf klassisches Fachmessenniveau runtergestrippt wird, bleibt abzuwarten. Dem Gerücht, die BBB werde bereits im Sommer nicht über das Level einer reinen Ordermesse hinaus, also eher im nüchternen Rahmen denn gewohnt glamourös stattfinden, widersprach man jedenfalls aus dem Headquarter in Mitte ganz entschieden. Währenddessen scheinen sich die Mitbewerber jedoch schon auf den möglichen Erbstreit einzuspielen. So kündigte Anita Bachelin von der ansonsten eher für Hi-End-Aussteller bekannten Premium Exhibition pro forma schon einmal eine eigene Sportswear-Messe für diesen Sommer an, und auch die restliche Konkurrenz verfolgt das Geschehen nicht minder wachsam. Es bleibt also alles wie gehabt: Hauptstadt-spannend.



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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