Herr von Eden

Jenseits vom Herrn

25.02.2005, 12:32, Text: Silke Hohmann, Silke Hohmann

Im Leben von Bent Jensen gibt es zwei Motoren: Der eine ist die Leidenschaft, der andere das schlechte Gewissen. \"Warum schlechtes Gewissen?\" könnte man da fragen. \"Der Mann macht die schönsten Anzüge weit und breit, man sollte ihm gratulieren, statt eine Augenbraue skeptisch nach oben zu ziehen wie ein englischer Lord!\" Schon, aber das kam ja so: Als Bent Jensen zur Schule ging, kleidete er sich gern in gut geschnittenen Anzughosen und Hemden. Dazu ging er in den Secondhandladen, später wurde er Inhaber eines solchen. Das schlechte Gewissen sagte bald: Du hast dein Abitur nicht gemacht, um Altkleider zu verkaufen. Stimmt, sagte er und entwarf einen Anzug - den besten, den er sich damals vorstellen konnte: schmale Hose, klassisches Revers, drei Knöpfe, einmal in Schwarz, einmal in Weiß, und hängte ihn ins Schaufenster seines Ladens in der Hamburger Marktstraße.

Tocotronic kaufen dort ein, Bela B. von den Ärzten ist Kunde, Tiger Beat kleiden sich auf Tournee in Herr von Eden, und die waghalsigen Trendsetter vom Jeans Team inspirierten Bent Jensen sogar zu einem eigens geschneiderten Bühnenoutfit. Dann war wieder die Leidenschaft dran: Er suchte nicht mehr nur nach alten Anzügen, sondern fing an, Stoffe einzukaufen. Karierten Tweed für die Englischer-Lord-Jacketts, die ihm vorschwebten, glänzende Streifenstoffe für ein Miami-Vice-haftes Dandytum, sogar an Seersucker und hellrote Zweireiher wagte er sich heran, denn aus den Secondhand-Erfahrungen wusste er, dass es keine böse Mode gibt, wenn man nur die richtigen Ideen damit hat. Im Fall von Herr von Eden heißt das: einen Gedanken immer so konsequent zu Ende denken, dass man ihn in jeder Naht, in jedem Knopf, an jeder Blende sieht. \"Schmal geschnitten\" heißt dann zum Beispiel wirklich schmal, und die Kollektionsidee ›Jagdausflug‹ ist tatsächlich bis ins kleinste Detail durchsetzt von moosigen Loden-Leder-Eichenlaub-Gefühlen, ohne - und das ist das Hervorragende - dass der kleinste Verdacht aufkommt, es könnte sich um eine Verkleidung handeln. Bislang allerdings standen Damen in Bents Läden immer nur eifersüchtig neben ihren Begleitern. Ab Mai aber verspricht Bent Jensen Kostüme, Minirock und Sixties-Strenge für die Dame. Karos auch, klar. Danke, schlechtes Gewissen von Bent Jensen.

Hamburg, Marktstraße 33
Berlin, Alte Schönhauser Straße 7
Kopenhagen, Larsbjörnstraede 15



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aus Intro #125 (März 2005)
 
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