Replay Footwear

Respekt vor dem Schusterhandwerk

28.09.2004, 13:44, Text: Andreas Gruether, Andreas Gruether

Generation 30+? Bei diesem Stichwort muss man doch sofort an den Kauf der ersten Replay-Jeans denken. Der dürfte so in den frühen Achtzigern mit jeder Menge in- und externem Glamourfeeling stattgefunden haben. Für all jene, die nicht sofort an diese Erinnerung andocken können, ein kurzer Geschichtsexkurs. In aller Kürze natürlich, denn wir haben später Besseres zu tun, nämlich über das Hier und Jetzt zu reden. Replay wird 1978 von Claudio Buziel gegründet und steigt als eine der ersten ernst zu nehmenden First-Generation-Style-Marken in Sachen Italien-Denim schnell zum internationalen must have der »Post-Disco, Prä-Popper und mit Punk sicher nichts am Hut«-Fashionheads auf.

Anfangs Kopf an Kopf mit der italienischen Konkurrenz von Diesel, zimmert man sich schon bald seine eigenen vier Wände und richtet sich, entsprechend den anspruchsvollen Skills des hochkarätig besetzten Designteams, über die nächsten Jahrzehnte stilprägend ein. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt durch ein enges weltweites Netz aus eigenen Stores und die Entwicklung von Subbrands wie den wegweisenden ›E-Play‹-Experimentallaboratorien und den streng limitierten und lediglich sehr picky vertriebenen Handarbeitsstyles der »Total Look«-Serie ›WR Replay‹ ausreichend dokumentiert ist. Dass man sich dennoch erst 19XX an die Produktion von Schuhen jenseits der üblichen halfassed Prototypenfeldversuche heranwagte, hat sicherlich viel mit dem Respekt vor dem Schusterhandwerk zu tun. Schließlich weiß schon der Volksmund, dass der Schuster bei seinen Leisten und somit der Jeanshersteller bei seinem Denim bleiben sollte. Es bedurfte also diversester Tests, intensiver Gespräche und Zeit raubendes Bücherwälzen, um dem Heart and Soul der Zunft auf die Schliche zu kommen und die bereits fertigen Designstudien auch qualitativ hochwertig umzusetzen. Mittlerweile hat sich das zunächst zaghaft angegangene Projekt »Replay Footwear« zu einem festen Bestandteil des Unternehmens-Portfolios gemausert und führt mit seiner aktuellen Kollektion die Tradition zeitlosen Designs mit eindeutigen Referenzen an die aktuelle Zitatkultur auf jeder Ebene fort. So ist ›Byker World‹ mit verschiedenen Stiefelstyles als eine Verbeugung vor kruder 50s- und 60s-Girlpower vom Schlage ›The Avengers‹, ›Faster Pussycat Kill, Kill‹, ›The Pandoras‹ und ›The Brood‹ zu verstehen, während ›Work & Regiment‹ mit modern technisierter Vintageoptik den Bogen von Past über Present zu Future und zurück spannt. ›Sports World‹ und ›City‹ als zwei Seiten ein und derselben Sneakermedaille setzen Fußball- und Rugby-Elemente in einen urbanen Streetfashion-Kontext, und mit ›Fact‹ wird der Träger per Detail-Wahlfreiheit in ein (zugegebenermaßen) recht enges D.I.Y.-Format eingebunden.



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aus Intro #121 (Oktober 2004)
 
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