Im Koffer mit

Graham Coxon

26.05.2004, 16:36, Text: Cynthia Blasberg, Cynthia Blasberg

Graham Coxon ist besessen von Kleidung und Schuhen. Tatsächlich hat er zu Schuhen ein ähnlich inniges Verhältnis wie ihrerzeit Imelda Marcos. Er besitzt ungefähr 100 Paar. Es handelt sich vorwiegend um schicke Lederschuhe in allen Farben und meist im Stil der Sechzigerjahre. Abgesehen davon, dass er Imelda-eske Züge hat, steckt auch ein kleiner Elton John in ihm. Brillen sind eine weitere Passion, die ihn von Optiker zu Optiker treibt. Ein besonderer Spleen sind geringelte T-Shirts. »Sie sind irgendwie ... Ja, was sind sie eigentlich? Früher haben Leute, die auf Indie standen, diese Shirts gerne getragen. Und ich glaube, das hängt damit zusammen, dass die Factory-Leute um Andy Warhol sie auch getragen haben.

Aber ursprünglich sind sie doch aus Frankreich, oder? Jedenfalls habe ich kürzlich in Paris ein Geschäft entdeckt, in dem es nur diese Art T-Shirt gibt. Gott, ich habe so viel Geld ausgegeben. Jetzt habe ich ein ganzes Regal voll mit diesen Shirts.« Tja, was war dieser Mann wohl als Teenager? Richtig, Mod. Somit kann man sich die Frage nach dem peinlichsten Outfit sparen: »Ich war Mod, Modernist oder wie auch immer du das nennen möchtest. Ich trug ganz straighte schwarze Hosen, weiße Socken, Bowling-Schuhe, eine schmale Krawatte und einen Parka. Manchmal sehe ich immer noch so aus.« Genug Mode. Sie muss gestellt werden, die Frage, wie es denn so läuft ohne Alkohol und den Rest vom Fest in Grahams neuem Lebensentwurf – vor allem, wenn man bedenkt, dass sich in London ein Großteil des Social-Life in Pubs abspielt. »Ach, ich finde es schon traurig, zu Hause zu sein und nicht auszugehen. Mein Social-Life hat sich schon extrem verändert. Ich sitze dann da und denke: ›So sitze ich noch da, wenn ich sechzig bin.‹ Aber ich habe ein Mini-Social-Life übers Internet. Ist das nicht traurig? Ich chatte. Und dann gucke ich wieder fern, spiele ein wenig Gitarre.« Dabei blickt er betont traurig drein und relativiert die Äußerung mit einem sehr einnehmenden Augenzwinkern. Und erzählt, er habe während einiger Aufenthalte in seinem Landhaus die Liebe zum Motorradfahren entdeckt. »Das ist auch so ein Ding. Ich fing an, Motorrad zu fahren, und dachte: ›Hey, ich brauche tolle Motorrad-Klamotten.‹ Also wurde ich total besessen von Motorrad-Style. Ich habe mittlerweile echt viele Sachen, um gut angezogen Motorrad zu fahren. Die neuen Outfits bieten natürlich mehr Sicherheit. Aber die alten Sachen sind einfach wunderschön. Manchmal kaufe ich sogar welche, die mir gar nicht passen. Einfach nur, um sie anzusehen.«



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aus Intro #117 (Juni 2004)
 
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