Room Of One’s Own

Der Rock als Metapher

03.03.2004, 19:58, Text: Cynthia Blasberg, Cynthia Blasberg

Was hier so schön nach Anleitung für einen Rock ausschaut, ist in Wahrheit ein feministisches Projekt. Der Name ›a room of one’s own‹ ist einem Essay von Virginia Woolf entnommen und thematisiert den gegenwärtigen feministischen Diskurs und die daraus resultierenden Folgen für die konkrete Kunst. Es handelt sich bei diesem Projekt um eine offene Gruppe, bei der Teilnehmerinnen stetig hinzukommen und auch wieder aussteigen können.

2001 wurde ›a room of one’s own‹ von Carola Dertnig gegründet. Im April des gleichen Jahres begann die erste Ausstellung ›Das Experiment2‹, in dem sich Ziel und Sinn des Projekts manifestieren: Gespräche unter Frauen, Erfahrungsaustausch darüber, wie im Alltag feministische Forderungen umgesetzt werden, Diskussionen über gemeinsame Ziele wie auch Differenzen und so vieles mehr.

Der Rock dient als Metapher. Zum einen steht er, historisch betrachtet, sowohl für Frauen- als auch für Männerbekleidung und stellt somit ein – vielleicht unvermutetes – Bindeglied zwischen den Geschlechtern dar. Zum anderen kann seine Funktion – das Tragen des Rocks – erweitert werden, wie man aus der Illustration ersehen kann. Der Rock ist Kleidungsstück und Transparent zugleich: Feministische Forderungen sind tragbar! Auf diese Art lösen sich feministische Anliegen aus ihrem theoretischen Korsett. Denn ›a room of one’s own‹ möchte agieren und nicht nur in endlosen Debatten Theorien bilden, die in der Realität keinerlei Umsetzung finden.

Im Fokus stehen Künstlerinnen und ihre Arbeit. Während männliche Kollegen gerne in den Erfolg hofiert werden und im Kompakt-Angebot neben Ausstellungen in Galerien, Professuren an Kunstakademien bis hin zur Retrospektive im Museum alles möglich zu sein scheint, steckt die weibliche Garde oft in der Subkultur der Kunstszene fest. Doch Bangemachen gilt nicht. Darum finden sich auf der Homepage (www.aroomofonesown.at) einige praktische Hilfen, um die heiligen Hallen der Kunst zu erobern. Ein möglicher Hintereingang in die großen Museen der Welt: diesen eines der Frühwerke der Künstlerinnengruppe ›a room of one’s own‹ schenken. Ein Formularvordruck ist online abrufbar. Beschenkt wurden bisher u. a. Museum Ludwig in Köln, Tate Modern in London und J. Paul Getty Museum in Los Angeles. Heuer ist die Gruppe übrigens erfolgreich auf der dritten Berlin Biennale vertreten.



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