Mer losse d'r Dom in Kölle
Fotos: Sheila Michelle Rieke
03.03.2004, 19:19, Text:
Cynthia Blasberg,
Cynthia Blasberg
»Berlin, Berlin«, klingt es allerorten. Man könnte meinen, sämtliche jungen Designer lebten in der großen Stadt dieser Republik. Weit gefehlt. Es tummeln sich natürlich auch im Rest des Landes viele begabte Modeschaffende. Beispielsweise in Köln. In der ›Incredible shrinking‹-Modestrecke kommen u. a. Stücke aus den aktuellen Kollektionen von Chang 13°, Fenja Ludvik und MyZoo vor. Alle drei Labels kommen nicht nur aus Köln, sondern arbeiten auch zusammen. So stellen sie beispielsweise ihre Kollektionen auf gemeinsamen Modeschauen vor. Weitere Gemeinsamkeit: Alle drei Labels wurden 2002 gegründet.
Chang, Fenja und MyZoo-Designer Ingo Stein kreieren Mode für – vorwiegend – weibliche Großstädtlerinnen, sind cutting edge und greifen auf Elemente aus Urban- und Street-Wear zurück.
Charakteristisch für Chang 13° ist die Mixtur aus Couture und Sportswear. So ist ein Blouson, der auf den ersten Blick aussieht wie eine Baseball-Jacke, extrem speziell geschnitten. Mit der Folge, dass die Stoffe enger fließen, sich an die Trägerin geradezu anschmiegen. Nach dem gleichen Prinzip legen sich seine extravaganten Kimonos (z. B. aus einem schweren Camouflage-Stoff), die man wie einen Trenchcoat tragen kann. »Kimonopolygame« nennt Chang seine Entwürfe: Kimono – das japanische Gewand steht für Schutz und Stärke, Monopoly ist der Business-Aspekt, und Game bezeichnet das Wissen. Damit ist seine Zielgruppe perfekt getroffen: moderne Frauen, die Avantgarde lieben. Doch Chang ist nicht nur Designer. Er betreibt auch einen Klamottenladen, angegliedert an das gemeinsame Studio von ihm und Fenja Ludvik, die ihrerseits ebenfalls einen Laden hat. Das Geschäft von Chang heißt Xhibition und liegt um die Ecke der bekannten Kölner Einkaufsstraße Ehrenstraße. Hier verkauft er neben Chang 13° Klamotten von MyZoo, Uli Dziallas, airbag und anderen.
Nebenan liegt der Laden von Fenja Ludvik, der auch ihren Namen trägt. Ursprünglich schrieb sich Fenja einfach Ludwig, doch die deutsche Schreibweise musste weichen, weil Prag die slawische Variante von patiniertem Glam ist. Hinzu kommt ihre Liebe für tschechische Märchenfilme. Eine romantische Verbundenheit, die man gerne mit ihr teilen möchte. Und so ist es nur konsequent, dass ihre Kollektionen von einer gewissen romantischen Weichheit geprägt sind. Was nicht Kitsch meint. Ganz im Gegenteil. Die Materialen sind zwar in der Regel fließende Stoffe und verspielte Details wie Bänder oder Raffungen, unterstreichen eine gewisse Zartheit, zerbrechlich wirkt aber trotzdem keine Frau in diesen Outfits. Es werden grundsätzlich zurückhaltende Farben verwendet.
Besonders beliebt: grau. Kein Kleidungsstück ist überfrachtend. Es sind akzentuierte Details, mit denen die Wirkung generiert wird. Und so muss man unweigerlich an Ikonen wie Audrey Hepburn denken. Die Sachen sind stets tragbar, anmutig und elegant – ohne dabei konservativ zu wirken. Jedes Teil wird im Atelier Ludvik in Eigenproduktion hergestellt, und neben Ready To Wear ist auch Couture auf Maß in der Angebotspalette zu finden. MyZoo ist das Label des Modeschöpfers Ingo Stein. Im Gegensatz zu Fenja und Chang studierte er Kommunikationsdesign. Seine Herangehensweise an Mode und Design unterscheidet sich
dementsprechend von den anderen. Während seines Studiums entwarf er zahlreiche Comicfiguren: Tiere, Menschen und Pflanzen. Sie allen werden durch den illustratorisch stark vereinfachten Stil zu echten Characters. So entstand der Zoo aus dem wilden Rockabilly-Boy Buster, der Katze Coco, dem Traubenmädchen Raspberry und Unzähligen mehr. Zu sehen war die Zoo-Familie in Collagen und anderen Grafikarbeiten. Nach der Zusammenarbeit mit einem Kölner Modelabel, für die Ingo Videoprojekte umsetzte, entstand die Idee eines Modelabels. Im November 2002 präsentierte MyZoo die erste Kollektion ›Candy For Apes‹.
Die darauf folgende Streetwear-Kollektion für Männer und Frauen kokettierte mit dem Clou, dass es zu jedem Oberteil eine Hose bzw. einen Rock gab. Als Printmotiv dienten die stilisierten Tiere, die sehr gut mit der Farbwahl (pink, blau, rot) von MyZoo harmonierten. Urban und fröhlich, aber nicht um den giggelnden Niedlichkeits-Faktor heischend. Bei dieser Kollektion fand sich erstmals ein Accessoire im Repertoire: eine Tasche. Auch die aktuelle Kollektion orientiert sich am Stadtleben, zollt zudem den Fünfzigerjahren Tribut.
Für die Ladys gibt es schwingende Tellerröcke mit tailliert sitzenden Shirts. Die Boys können dafür in einen MyZoo-Jogger steigen. Daneben gibt es Unisex-Teile wie T-Shirts. Und dann ist da noch die Babywear, immer mehr ein Thema in der Generation der Thirtysomethings. Passend zur Babywear: Auch der Zoo hat mittlerweile Zuwachs bekommen. Neu am Start sind Marshmellow Monkey, Reh Rikki, Little Ape und brandneu: der Boxer-Hund Butch. Ingo Stein hat große Pläne, neben der Fashion-Kollektion auch Merchandise-Produkte für den Bereich Home&Interior zu entwickeln.
cutting edge
Der Begriff bedeutet im regulären englischen Sprachgebrauch: auf dem neuesten Stand, innovativ zu sein. Damit erklärt sich schnell die Bedeutung von cutting edge im modischen Fachjargon. Gemeint sind Kollektionen, die in Richtung Avantgarde tendieren und neue Trends umsetzen.
Chang 13°
Xhibition
Palmstr. 45
50672 Köln
(0221) 7 19 26 13
www.chang13.de
Ludvik
Atelier Ludvik
Palmstr. 43
50672 Köln
(0221) 2 77 45 68
www.ludvik-cologne.de
MyZoo
in Köln erhältlich bei: Xhibition
in Berlin bei: Respectless, Neue Schönhauser Str. 19
in Hamburg bei: Injected, Glashüttenstr. 8
www.myzoo.de
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