
Moneybrother
"Ich wollte mehr Dreck!"
03.09.2007, 10:00, Text:
Martin Riemann
Dein letztes Album hast du in schwedischer Sprache eingesungen. Jetzt kehrst du zum Englischen zurück. In welcher Sprache fällt es dir leichter, deine Gefühle zum Ausdruck zu bringen?
Eigentlich wäre es einleuchtend zu glauben, dass mir das Texten auf Schwedisch leichter fällt, da es meine Muttersprache ist. Andererseits ist Englisch die internationale Rock'n'Roll-Sprache. Bei meinem letzten Album hat es mir Spaß gemacht, das Schwedische passend zu meinem Sound zu verfremden und einige wirklich neue Sachen zu machen. Aber für mich steht das Touren im Vordergrund und wenn du englisch singst kannst du überall auftreten. Schweden ist mir zu klein.
Im Gegensatz zu deinem letzten englischsprachigen Album 'To Die Alone', das sehr rhythmusorientiert war und mit seinen Streichersätzen stark Richtung Soul ging, funktioniert 'Mount Pleasure' eher wie ein klassisches Rockalbum.
Es stimmt, dass keines meiner Album so stark nach Rock'n'Roll klang wie dieses. Ich wollte es genau so haben. Die früheren Sachen beruhten stark auf Sessions. Diesmal wollte ich es anders machen und übte die Stücke mit den Musikern über einen langen Zeitraum ein. Sie sollten die Stücke total verinnerlichen: Dadurch entstand ein völlig anderer Sound.
Der Sound ist ja ziemlich episch und ornamental. Es gibt erstaunlich viele Soli, vor allem vom Saxophon. Ziemlich mutig, denn starke Soloelemente sind ja zurzeit eher verpönt.
Ja, wir haben es auch zunächst anders konzipiert, aber Musiker wollen eben im Grunde nur eins: spielen. Je mehr sie die Stücke drauf hatten und je mehr sie begannen die Stücke zu mögen, umso mehr konnten sie spielerisch dazu beitragen. Daran wollte ich sie nicht hindern.
Du bist also kein autoritärer Bandleader der die Grenzen gemäß seiner Vision sehr eng setzt?
Normalerweise schon ein bisschen, aber dieses Mal hatte ich mir ja extra Musiker ausgesucht, von denen ich wusste, dass sie den Songs etwas Lebendiges geben würden. Sonst hätte ich sie nicht gebrauchen können.
Ist das der Grund warum du die ersten Aufnahmen in Los Angeles abgebrochen hast?
Die Musiker in Los Angeles waren großartige Musiker. Aber sie waren derart professionell, dass mir klar wurde, dass sie die Songs niemals wirklich lieben würden. Ich mag zwar einen cleanen Sound, aber man muss in der Lage sein, den Dreck durchscheinen zu lassen. Diese Studiomusiker waren einfach so tight, dass ich mich in diesem Sound nicht mehr wieder fand. Mein Gesang ist eben immer etwas daneben, also überhaupt nicht perfekt. Und wenn alles andere zu tight ist, gibt es keinen Platz für meine \"schäbige\" Stimme. Es ist ein bisschen so wie mit den Stimmen vieler Soulsänger die versuchten sich dem Disco-Trend anzupassen. Es klingt einfach falsch.
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