Mike Watt über Punk

Legenden-Bildung

19.05.2006, 14:24, Text: Heiko Behr
[10 Kommentare]

Irgendwann war diese Idee geboren. Und sie schien gut zu sein: warum nicht für das anstehende Gespräch mit den Red Hot Chili Peppers einen der legendärsten Bassisten der Punkrock-Welt mit ins Boot holen? Gesagt getan. Mike Watt, Mitbegründer der Minutemen, ist sofort Feuer und Flamme. Wir beschließen, uns vor dem eigentlichen Gespräch mit Flea zu treffen. Nur durch Zufall ist er überhaupt in der Stadt, eigentlich reist er nämlich momentan mit Iggy Pop durch die Welt. Er hat gerade ein Konzert vor 50 000 Menschen in Australien hinter sich.

Aber auch wieder daheim in L.A. kann er seine Finger nicht vom Bass lassen. Also treffen wir uns kurz vor einem Gig in einer Schuhschachtel, irgendwo jenseits von Hollywood. Mike spielt zusammen mit seiner Ex-Frau Kira Roessler in der Band Dos, die aus, logo, zwei Bässen besteht. Ich sitze kaum im Backstageraum, da fängt Mike an zu reden. Er wird damit auch nicht aufhören, bis ihn seine Ex-Frau daran erinnert, dass sie ja ein Konzert zu spielen hätten...


Los geht´s mit der Geschichtsstunde.

Mike: 100 mal 80 Meilen ist dieser ganze L.A.-Komlex. Aber eigentlich ist es wie 50 kleine Städte ohne irgendwie Platz dazwischen, deshalb scheint es wie eine einzige große Stadt. Und die Leute hier wissen nur sehr wenig über einander. Die Freeways haben Mauern, also sieht man nur, wo man hingeht. 1960 hatten wir hier das größte Netzwerk der Welt, über 1000 Meilen Schienen - und dann haben sie alles für Busse verkauft. Lächerlich. Die haben unfassbare Mengen damals weggegeben, das wird man nie wieder aufbauen können.

Intro: Liegt das nicht vielleicht auch an den vielen Erdbeben hier?

Naja, das gilt dann für U-Bahnen. Die alten waren oberirdisch. Jetzt müssen alle in Autos sitzen. Guck dich um: es gibt nur einen Kopf in jedem Wagen. Naja, also ich lebe 25 Meilen südlich von hier in der Vorstadt. Das ist San Pedro.

Schon mal woanders gelebt?

Ja, ich komm aus Virginia, ich kam hierher mit zehn, weil mein Vater Seemann ist. Und es war hier näher an Vietnam dran… Ich mag das Wetter hier, das ist das einzige Positive unter vielen Negativen.

Wirklich das einzige Positive?

Naja, man kann viele Gigs spielen wegen der vielen Städte. Aber sonst: der Verkehr, die Gewalt, Umweltverschmutzung…

Nie die Idee gehabt umzuziehen?

Nein, weil San Pedro ganz nett ist, es ist anders da unten. Das Meer ist da, ich kann dreimal in der Woche Kajak fahren, an den anderen vier fahre ich Fahrrad. Das kannst du eigentlich nirgendwo sonst hier. Also wenn man nicht am Wasser lebt hier, gibt es eigentlich keinen Grund, hier zu sein.

In wiefern wirkt sich das auf dich aus und auf deine Musik?

Wir wurden ja im Laufe der Jahre balkanisiert, wir kennen nur unsere Nachbarn. Und die Atmosphäre ist sehr nett, weil meine Nachbarn Dockarbeiter sind, die in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen. Das ist total anders sonst in L.A., die müssen drei Stunden reinfahren… egal. Auf jeden Fall haben wir als Minutemen, also George Hurley, D.Boon und ich selber, da angefangen. Unsere Väter waren Arbeiter, die Stadt ist eine Arbeiterstadt - und das hat sich sehr widergespiegelt in unserer Musik.



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  • User: Gandalf
  • Gandalf 19.05.2006 | 20:08:48
    Graue Eminenz
    schönes interview. mit dem go team hat er übrigens auf dem coachella für 1-2 songs bass gespielt

  • jimbob 19.05.2006 | 21:44:31

    ist eh einer der tollsten überhaupt!

  • User: Gandalf
  • Gandalf 19.05.2006 | 21:54:25
    Graue Eminenz
    die double nickle on the dime ist eine platte die ich durch das forum hier und im speziellen call me appetite sehr spät erst entdeckt habe, aber von der ich nicht weiss, wie ich vorher ohne sie ausgekommen bin

  • jimbob 19.05.2006 | 22:00:41

    die double nickle...und weiterer stoff des herren hat uns ab 1988 vor ziemlich mieser musik bewahrt, die wir auch hätten gut finden können.

  • flusch 19.05.2006 | 23:53:26

    mike watt - held. schönes interview.

  • telenoise 20.05.2006 | 18:45:18

    wirklich sehr schön. hab ihn letztes jahr live gesehen vor einer hand voll leuten und hat gespielt wie der teufel. danach noch nett mit ihm gequatscht. so abgedroschen die phrase auch ist: absoluter vollblutmusiker (inkl. funkeln in den augen, wenn er von musik erzählt). so ist er halt,der man in the van with the bass in his hand!

  • User: Gandalf
  • Gandalf 15.06.2006 | 05:19:29
    Graue Eminenz
    gerade habe ich die post mersh III billig second hand erstanden. trotz aller zusammengestückeltheit viel grossartiges drauf

  • Call Me Appetite 15.06.2006 | 09:37:26
    Hobbyprofi
    hahahaha, gandalf, in deinem ersten posting klingt es, wenn man nicht aufpasst so, als hätte ich dich davon abgehalten, die platte früh zu entdecken.
    der mann ist sehr großartig.

  • User: Gandalf
  • Gandalf 15.06.2006 | 17:35:24
    Graue Eminenz
    oh, stimmt. das sollte es nicht. die verspätung lag an mir, die entdeckung an dir.