Mystery Jets

Musik ist eine Insel

24.04.2006, 08:00, Text: Thomas Renz

Auf die Frage, wie es denn nun sei, mit seinem Vater in einer Band zu spielen, antwortet Blaine Harrison lediglich mit einem Schulterzucken. Der Zwanzigjährige kennt es eben nicht anders. Schließlich machen die beiden schon seit über zwölf Jahren zusammen Musik. Dabei nutzte Vater Henry sie zunächst als Möglichkeit, seinen Sohn aufzumuntern, denn dieser leidet an einer Missbildung der Wirbelsäule und muss in Folge dessen schon immer an Krücken gehen. Und tatsächlich wurde Musik für Blaine zu einer Art Lebensretter. Das Portrait des Pink-Floyd-Mitbegründers Syd Barrett, das man im Hause Harrison findet, erzählt von dieser Geschichte: Es ist von einem Rettungsring eingefasst.

Doch es gibt noch einen weitaus pragmatischeren Grund, dass dieser dort hängt. Schließlich proben die Mystery Jets auf Eel Pie Island, einer kleinen Insel südwestlich von London, inmitten der Themse. In den Sechzigerjahren stand dort ein Hotel, in dem Bands wie The Who, The Rolling Stones oder Led Zeppelin auftraten, bis die Location 1971 unter mysteriösen Umständen in Flammen aufging. Henry muss damals den Rauch – ganz Hippie – tief inhaliert haben. Und mit ihrem Debüt atmen die Mystery Jets jetzt etwas vom Geist dieser Zeit wieder aus. “Diese Insel hat die Suche nach dem, was wir machen wollten, ganz und gar beeinflusst”, ist sich auch Blaine sicher. Man könnte sogar noch weiter gehen: Die Musik dieser Band ist selbst eine Insel. Sie liegt mitten im Herzen Englands des Jahres 2006 – und ist doch ihre eigene kleine Welt.



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aus Intro #138 (Mai 2006)
 
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