Von Stofftieren und anderen Zuständen
Ein Nachbericht
31.08.2010, 12:56, Text:
Thomas Venker
Thomas Venker hat sich gen Süden auf die Reise gemacht und in drei aktuelle Ausstellungen geschaut. Das hier sind einige kurze Gedanken und jede Menge Bilder zu den Ausstellungen von Cosima von Bonin („The Fatigue Empire“), Rosemarie Trockel („Spiral Betty“) und Rodney Graham („Through The Forest“).
Cosima von Bonin ist bekennende Faulenzerin. Statt sich dem Powersystem Neoliberalismus zu ergeben, beharrt sie lieber auf die Bockigkeit des guten 77er-Art-Punks. Ein Statement, das an sich schon so toll ist, dass man es sich als Halskette umhängen möchte. Wenn sie aber aktiv ist zwischen den Phasen der Behäbigkeit, dann mit aller Dringlichkeit. Bei dieser ist mit dem „The Fatigue Empire“ wohl genau deshalb eine Hommage an ihre Off-Phasen herausgekommen, da diese eben gar keine echten Offs sind, sondern die Notwendigkeit um überhaupt interessante Gedanken zustande zu bringen. Kreativität funktioniert nun mal nicht am Fordschen Fabrikband.
Im dafür exzellent geeigneten Kunsthaus Bregenz bespielt die Kölnerin derzeit gleich drei Stockwerke. Es ist eine Welt der gebrochenen Niedlichkeit, die uns von Bonin schenkt. Dem affirmativen Touch der hochdimensionierten Stofftiere und Installationsarbeiten sowie der Patchwork-Bilder haftet eine subtile Nachdenklichkeit an: Selbstzweifel, Überforderung, Regeln, Medienübergriff. Gestützt werden diese Entwürfe von den Sounds von Moritz von Oswald, die den Geist seiner Hauptprojekte Basic Channel und Rythm & Sound atmen, was nichts anderes heißt, als dass sie Detroit und Kingstone in Klang und Soziopolitik repräsentieren und somit zugleich profuturistisch als auch melancholisch-taumelnd klingen. Von Oswald prägt hier einen Raumklang, der, das Ausstellungsmotiv aufgreifend, zugleich Soundtrack zum Niederlegen als auch nervöses Kribbeln in den Gliedern ist– wobei die Musik teilweise nicht nur aus bereitliegenden Kopfhörern kommt, sondern aus auf das jeweilige Objekt ausgerichteten Speziallautsprechern, was den Effekt des Eintauchens ins Empire sehr spannend stützt. Von Bonin und von Oswald ist eine wunderbare Ausstellung gelungen. Zur Feier gab es am vergangenen Freitag ein angemessen tolles Konzert des Moritz von Oswald Trios in Dornbirn bei Bregenz.

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