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Isa Genzken

Art Cuts

30.09.2009, 17:21, Text: Wolfgang Frömberg
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Schneller, als man "Sesam, öffne Dich!" sagen kann, findet man sich mitten im "Straßenfest", der ersten Station, die beim Besuch der bislang umfassendsten Einzelausstellung Isa Genzkens zu durchlaufen ist.

Die 1948 in Bad Oldesloe geborene Künstlerin hat für das Stelldichein Schaufensterpuppen fertig zur (Re-) Präsentation mit bunt zusammengewürfelten Requisiten kostümiert und auf Gepäckwagen drapiert. Öffentliches Leben. An die Szenerie angelehnt steht eine Wand mit unterschiedlich farbig eingefassten und auf diverse Arten verzierten Spiegeln. Das Ergebnis der Reflexion richtet sich nach dem Medium und der Art und Weise, in der man sich zu ihm verhält.


Am Körper des aus verschiedenen Materialien zusammengesetzten "Spielautomaten" findet man im weiteren Verlauf des Rundgangs nicht zufällig ein kleines Porträt von Andy Warhol, das unwillkürlich den Velvet-Underground-Song "I'll Be Your Mirror" ins Gedächtnis ruft. Die Gedanken an öffentliche Fassaden und reflektierende Oberflächen holen einen nicht nur dann ein, wenn man von Genzkens Außenprojekten, z. B. an Hochhäusern, und ihrem grundsätzlichen Interesse an Wolkenkratzern und allgemein der Architektur von New York weiß, wo sie inzwischen lebt. Auch die Reihe von mit verschiedenen Metallfolien und Klebeband bedeckten Holzplatten, "Soziale Fassaden", ruft Assoziationen an kitschige Basteleien, mit glitzerndem Papier umfasste Präsente sowie weitere, mitunter durchaus gut gemeinte Banalitäten wach.

  • Fotostrecke: Isa Genzken
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Fotostrecke:Isa Genzken



In Genzkens Werk spielen sich die Dramen allerdings nicht nur an der Oberfläche ab. Sie arbeitet mit kleinen Püppchen an dreidimensionalen Stills in überdimensionaler Kulisse ("The American Room") und kümmert sich um die Werkzeuge der Vermittlung, wobei sie sich deren Formen als Bildhauerin ("Weltempfänger", "Ellipsoide + Hyperbolloide") und Sammlerin ("Der Spiegel I + II") aneignet. Vor allem die "Spiegel"-Kabinette samt ihren aus dem gleichnamigen Nachrichtenmagazin ausgeschnittenen, durch Rahmung zu auratischen Ehren gelangten und in Doppelreihen miteinander in Beziehung gesetzten Fotos betonen die Gründlichkeit, mit der Genzken die Objektivität einer vorentscheidenden Institution in Zweifel zieht und mit eigenen Mitteln in Ordnung zu bringen sucht. Die subjektive Arbeit am Mikrosozialen ("Säulen"), die Kunst des Erinnerns an 9/11, lauter "New Buildings For Berlin", die sie modelliert ... Der Parcours treibt einen immer tiefer ins urbane Leben und schaltet als Schlüsselerlebnis zugleich den dazugehörigen Lärm aus. Fasziniert steht man vor der 175 x 118 cm großen Fotografie "Ohr" oder bleibt gefangen vor einer Video-Exkursion aufs Land stehen. Letztlich beweist die Künstlerin Genzken noch Großstadthumor - und macht tatsächlich "Urlaub".

Isa Genzken "Sesam, öffne Dich!" (Museum Ludwig, Köln, bis zum 15.11., www.museum-ludwig.de; der Katalog ist erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König, www.buchhandlung-walther-koenig.de)



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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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