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Sensational Fix

Art Cuts: Sonic Youth etc

16.03.2009, 15:04, Text: Martin Büsser

Schon lange lassen Sonic Youth ihre Plattencover von zeitgenössischen Künstlern gestalten: "Goo" von Raymond Pettibon, "Dirty" von Mike Kelley, "Sonic Nurse" von Richard Prince, "Rather Ripped" von Christopher Wool.

Gerhard Richters Kerzenbild für "Daydream Nation" ist zur Ikone geworden. Kim Gordon war damals übrigens zu schüchtern, Richter um Erlaubnis zu bitten. Das musste ihr langjähriger Freund Dan Graham für sie erledigen, wie sie im Interview für den "Sensational Fix"-Katalog gesteht. Sogar die Musiker von Sonic Youth haben also noch Idole, die sie einschüchtern. Und das, obwohl sie mit der Zeit selbst zu Stars geworden sind. Ihr einziges Konzert anlässlich der Düsseldorfer Ausstellung am 24. April ist bereits ausverkauft. Die große, in der Kunsthalle Düsseldorf und bei KIT - Kunst im Tunnel gezeigte Ausstellung vermittelt allerdings, dass Sonic Youth keine herkömmlichen Rockstars sind, die sich selbst genügen. Sondern dass sie stattdessen unermüdlich Netzwerke aufbauen und ihre Musik in einen weiter reichenden Kontext stellen. Sonic Youth sind Fans, die ständig als Vermittler zwischen dem Kunst- und Rockpublikum auftreten.


In Düsseldorf laufen alle Verbindungslinien zusammen und ergeben keinerlei Widerspruch, weil das Ausgestellte ein und derselben Haltung entspricht: die Dichter der Beat Generation und John Cage; die Fluxus-Bewegung und Free Jazz; experimentelle Filmemacher wie Stan Brakhage und Hardcore-Punk; die künstlerischen Arbeiten von Mike Kelley und Mark Gonzales. Über Generationen und Disziplinen hinweg entsteht ein umfassendes Ganzes. Nicht dass Sonic Youth die große Klammer wären, die all das zusammenhält. So vermessen sind weder die Band noch der Kurator Roland Groenenboom. Aber Sonic Youth haben es geschafft, Schnittstellen aufzuzeigen, die vor allem in Europa noch irritieren: Ihr Kosmos kennt keine Grenzen zwischen "E" und "U" bzw. zwischen Kunst und Pop, sondern eignet sich aus jedem Bereich das an, was cool ist. Damit haben sie es als einzige Band sowohl in die wichtigsten Galerien als auch zu den "Simpsons" geschafft.

Aber was ist cool - und wie lässt sich das ästhetisch einordnen? Lee Ranaldo benutzt im Katalog den etwas irritierenden Begriff "Underground". Er irritiert deshalb, weil vieles, was Sonic Youth ihrem eigenen Kosmos einverleiben, längst zum kulturellen Kanon gehört. Was ist an Richard Prince oder John Cage noch Underground? Doch Ranaldo verwendet diesen Begriff mit Bedacht als Abgrenzung zu einer in den USA noch viel dominanteren Medienkultur. In den Mainstream-Medien kommen Cage oder Prince nicht vor. Eher schon mal Sonic Youth. Diese Sonderstellung nutzen sie, um Brücken zwischen den Welten zu schlagen. Dan Graham hat für die Ausstellung einen Pavillon errichtet, in dem man alte Videos und Musikaufnahmen aus dem New York der frühen 80er abspielen kann. Die Dokumente aus den Aufbruchstagen des No Wave machen klar, wie willkürlich die Trennung zwischen den Disziplinen ist. Damals waren fast alle bildenden Künstler als Noise-Musiker aktiv, während sich Musiker wie Sonic Youth eher als Künstler empfunden haben. Nicht spieltechnisches Können, sondern das Konzept stand im Mittelpunkt. Ein Ansatz, der sie bis heute vor dem Verschleiß bewahrt hat.


Sonic Youth etc.: Sensational Fix (Kunsthalle Düsseldorf und KIT - Kunst im Tunnel, bis 10.05. Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen. www.kunsthalle-duesseldorf.de, www.kunst-im-tunnel.de, www.buchhandlung-walther-koenig.de)



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aus Intro #169 (März 2009)
 
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