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Peter Doig

Art Cuts: Warten auf Jason

28.11.2008, 17:37, Text: Martin Büsser

Einmal pro Woche organisiert Peter Doig zusammen mit seinem Künstlerkollegen Che Lovelace den "StudioFilmClub", einen Filmabend für Kino jenseits des Mainstreams. Gezeigt werden sowohl Klassiker von Jean-Luc Godard bis Yasujiro Ozu als auch zeitgenössische Independent-Filme. Das Besondere daran: Beide leben in Port of Spain auf Trinidad, wo solche Filme ohne ihre Initiative überhaupt keine Chance hätten, öffentlich gezeigt zu werden.

Für jeden dieser Filme malt Doig das Plakat selbst, oft mit nur wenigen Pinselstrichen, sehr stilisiert, aber doch brillant auf die jeweilige Filmästhetik abgestimmt. Das Kölner Museum Ludwig zeigte 2005 bereits eine Auswahl dieser Plakate, die kurz nach ihrer Entstehung in westlichen Galerien Höchstpreise erzielen. Anlässlich der Doig-Retrospektive hat die Kunsthalle Schirn den Filmclub nach Frankfurt geholt. Wie in Trinidad sind Eintritt und Getränke umsonst, doch die Atmosphäre des Originalschauplatzes, eine alte Rumfabrik, in der sich auch Doigs Atelier befindet, lässt sich kaum einfangen.


Doig war schon einmal in der Schirn zu sehen, als ein Vertreter der Ausstellung "Wunschwelten - Neue Romantik in der Kunst der Gegenwart". Die sorgte 2005 für zahlreiche Diskussionen, da sie sich gegen die Vorherrschaft einer konzeptionellen, kritischen Kunst wandte und Künstler versammelte, deren Werke die Rückkehr zu Natur, Schönheit und Innerlichkeit proklamierten. Auf den ersten Blick passt Doig mit seinen Landschaftsbildern sehr gut in diesen Kontext. Einsam durch verwunschene Landschaften driftende Kanus, bewusst in naiver oder "volkstümlicher" Manier gemalt, wecken Sehnsucht nach verlorenen Paradiesen. Mag sein, dass der gebürtige Schotte sich als Romantiker empfindet. Doch es wäre falsch, seinen Arbeiten Eskapismus oder Exotismus vorzuwerfen. Doigs Kunst ist oft mit der von Gauguin verglichen worden, allerdings verarbeitet Doig seine neue Heimat Trinidad nicht aus dem Blickwinkel des westlichen Aussteigers, der sein Ideal gefunden hat. Die Menschen in seinen Bildern sind keine Hippies, die sich traumversunken an Stränden räkeln, wie man das von Gemälden seiner Kollegin Kaye Donachie kennt. Sie bleiben einsam, sprachlos, nehmen sich in der Natur wie Fremdkörper aus. Vergleichbar mit der Musik von Devendra Banhart handelt es sich um Post-Hippie-Kunst, die Paradiese beschwört und doch genau um deren Verlust weiß.

Das Motiv des weißen Kanus, mit dem Doig berühmt wurde, geht auf das Ende von "Freitag der 13." zurück. Es zeigt den Moment, wo der letzte überlebende Teenager sich für einen Moment sicher wähnt, bevor Jason ihn in die Tiefe reißt. Wie im Horrorfilm sind die Menschen bei Doig von der Natur entfremdet - insofern kann es eigentlich nur Ironie sein, wenn der Künstler die eigenen Arbeiten als "heimelig" bezeichnet. Aber vielleicht bezieht sich das "heimelig" ja auf die Rezeption im Westen, wo seine Gemälde für bis zu elf Millionen Dollar gehandelt werden. Schon Andy Warhol war von dem Gedanken fasziniert, dass sich Menschen sein Motiv eines elektrischen Stuhls ins Schlafzimmer hängen. Ähnlich verhält es sich mit Doigs Landschaften: Das Idyll ist trügerisch, Jason lauert überall.


Peter Doig (bis 04.01. 2009, Frankfurt, Kunsthalle Schirn)



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)
 
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