David Shrigley
Monotypien-Ausstellung im Museum Ludwig
14.08.2008, 15:00, Text:
Thomas Venker
Den Glasgower Künstler David Shrigley dürfte mittlerweile jedes Indie-Kid kennen. Zuletzt machte er mit seinem Großprojekt in Zeichnung und Ton für Tomlab Furore, das Coming Out seiner Popverflechtung zelebrierte er noch in bewegten Bildern - Shrigley bastelte damals für Bonnie "Prince" Billy ("Agnes") und Blur ("Good Song") charmante, abgründige Animationsclips.
Zustande gekommen sind diese via Bekanntschaft mit dem Label im Fall von Billy und Fantum seitens der Band im Fall von Blur. Der Musiklink ist eine nette Nebenstraße für ihn, die sich aus der Involvierung in die lokale Szene ergeben hat.
Shrigleys Arbeit verbindet den soziologischen und psychologischen Blick auf die Gesellschaft und ihre Mitglieder. Er stürzt sich auf Klüfte und Brüche in der gesellschaftlichen Oberfläche, forscht dort tiefer, wo der Einzelne im Dunkeln tappt. Die stilistische Grundsatzentscheidung zu Cartoon-artigen Werken hilft ihm dabei, das Pessimistische wiederum zu brechen, es mit viel sarkastischem Humor und gezeichneter Leichtigkeit zu transportieren. Ebenfalls bedingt durch die stilistische Entscheidung ist die Masse der von ihm in Akkordarbeit produzierten Werke. Dementsprechend lang auch die Liste an Ausstellungen, die zusammengekommen sind, seit er in den späten Neunzigern den Sprung von einem Illustratorenjob für eine britische Zeitung auf den Kunstmarkt wagte - zumal er für Ersteres nach eigener Aussage auch nicht geeignet war. Der freie Kunstbetrieb liegt ihm da schon mehr. In selbigem hat er sich gut eingerichtet, etabliert sich stetig mehr in der so called ernsthaften Kunstszene der großen Galerien, Museen und Messen, ist aber gleichzeitig auch immer bedacht, seine Arbeiten via Buchveröffentlichungen günstig für jedermann verfügbar zu halten.
Über seine Ausstellungen in der Kölner BQ Galerie entstand der Kontakt zum Label Tomlab. Aus der anfänglichen Idee eines Shrigley-Shirts für das Label wurde ein richtiges Großprojekt: ein Album-Artwork ohne Platte, vergleichbar in etwa mit Mike Mills für MoWax designten "A Visual Sampler". Wo dieser jedoch explizit "No Music! File Under Interior Decorating" auf das Cover schrieb, ging es Shrigley tatsächlich um eine weitergehende Annäherung an die Musik. Zwar ist die Hülle bei "Worried Noodles (The Empty Sleeve)" ebenfalls leer, jedoch zeigt das beiliegende 48-seitige Buch neben Bildern von Shrigley auch (teilweise extrem lange) Songtexte. Texte, die das ganze Spektrum Shrigleys sonstiger Arbeiten aufgreifen, die kleine Tragödien des Alltags erzählen, die geprägt sind von seiner Vorliebe für die dunkle Seite des Humors.
So textete er einerseits über eher lustige Themen wie Metalbands und Festivalerlebnisse, andererseits aber auch über Politik, Schule, Beziehungsstreit und Selbstmord. Gute Texte, zu denen man damals auch gerne Musik hören wollte - und so kam es dann ja auch: Zwei Jahre nach dem Buch erschien im letzten Jahr die Doppel-CD "Worried Noodles", u.a. mit Interpretationen seiner Texte und Zeichnungen von Franz Ferdinand, Hot Chip, Liars, Deerhoof, Dirty Projectors, Yacht, Scarlett's Well, Psapp und Scout Niblett.
Im Museum Ludwig wird Shrigley ausschließlich Monotypien zeigen, also Drucke von denen es nur einen Abzug gibt. Seine Monotypien sind "großformatig und schreiend bunt, Gegenstücke zu den Comicstrip-artigen Schwarzweiß-Zeichnungen, für die er berühmt ist, und doch genauso komisch, grimmig und bizarr. Sie spielen mit bekannten Motiven, reduzieren sie auf ihre Grundformen und enthüllen ihre Absurdität. Eine Schule des Sehens, am Ende reibt sich der Betrachter die Augen, wacher als zuvor, und so verwundert wie beglückt". (zitiert von der Webseite des Museums Ludwig).
Die Ausstellung dauert vom 15.8.-9.11.2008.
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