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Yes Darling, But Is It Art School?

Die Angepassten hol der Teufel!

01.09.2008, 12:00, Text: Wolfgang Frömberg

Die Television Personalities bespielen während der Kölner c/o pop den Melt! Klub im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Yes Darling, But Is It Art School?", bei der im September auch Wolfgang Müller, Melissa Logan und Justin Hoffmann zu Gast sind. Wolfgang Frömberg mit einigen Gedanken und Anmerkungen zu Art-School-Bands von Warhol bis Wire.

Das Foto zeigt ein Mädchen mit Händen voller Farbkleckse, die es in die Kamera hält. Dahinter ist ein Laken oder eine Leinwand gespannt. Rot beschmiert, genauso blutig-rot wie die Finger der kleinen Malerin. Die Rückseite des von Alison Wonderland gestalteten CD-Covers wird von einer anderen Fotografie ausgefüllt: Eine Frau im Sixties-Look wirft darauf einen neugierigen Blick um die Ecke. Könnte sein, dass sie das Mädchen von der Vorderseite und deren Werk ins Visier nimmt. Sie schaut halb prüfend, halb genervt. Titel der Platte: "Yes Darling, But Is It Art?".



Eine Compilation von frühen Singles und Raritäten der Television Personalities. TVP-Sänger und -Songwriter Daniel Treacy gilt heute als verhinderter Popstar. Ein lebendes, eigenartiges Kunstwerk. Beim frühen Gig der TV Personalities in der Central School Of Art in Holborn, 1980, fiel der Lausbub, der es selbst nur einen Tag auf der Kunstschule ausgehalten haben soll, schon arg aus dem Rahmen - vollgepumpt mit LSD. Als Vorgruppe von Pink Floyd und Nirvana verdarben TVP es sich an zwei entscheidenden Punkten der Karriere mit Publikum und Headliner. Treacy wollte keine Kompromisse. Alle Mode-Revoluzzer, Fascho-Clowns und Sell-out-Darlings bekamen im TVP-Stück "Part-Time Punks" Saures: "They play their records very loud / And pogo in the bedroom / In front of the mirror / But only when their mums gone out." Nun stelle man sich die Mutter vor, die nach Hause kommt und fragt: "Yes Darling, But Is It Rebellion?" Was wäre die Antwort?

Die Kunst, sowohl in den Tag hinein zu leben als auch ein produktives Leben auf die Reihe zu kriegen und zugleich mit künstlerischen Mitteln aus der Reihe zu tanzen, hat noch nicht so richtig Schule gemacht. Meist ist der geneigte Rebell mit einer der Disziplinen bereits überfordert. Jedoch hat sich als kleinster gemeinsamer Nenner der Rebellion seit der Ausweitung der Popindustrie die Gründung einer Band herauskristallisiert. Elvis war die erste One-Man-Band, denn er konnte ja alles: tanzen, singen, spielen, aussehen, klauen. Dann kamen die uniformierten Beatles und die Aufgabenteilung. Was findige Manager wie Colonel Tom Parker oder Brian Epstein schufen, sollte auch für ein Künstlergenie kein Problem sein. Es war eine Frage der Zeit. Wenn sich eine Skulptur formen ließ, musste sich doch auch eine Popband formieren lassen.

So kam die prototypische Art-School-Band Velvet Underground in Warhols Factory zustande. Die rebellische Anti-Haltung der düsteren VU, samt ihrer Ode an "Heroin" im Repertoire, setzte sich in den folgenden Jahren bei den Stooges, Modern Lovers und bei allen frühen US-Punkbands weiter durch - und nachher selbstredend in England. Ob deren Mitglieder nun von der Kunsthochschule kamen oder nicht, die Affirmation der Serienproduktion war in eine ziemlich aufregende Variante der Negation gesellschaftlicher Verhältnisse umgeschlagen. Die New Yorker Punk-Diva Patti Smith, die sich selbst und den jung gestorbenen Dichter Arthur Rimbaud vergötterte, besang die wütende Abkehr vom Authentischen später im Song "Rock'n'Roll Nigger", der keine Back-to-the-roots-Romantisierung der Vermarktung mehr zuließ.


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aus Intro #163 (August 2008)
 
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